Enge Verbindung: Diabetes und Parodontitis

Wie eine aktuelle Veröffentlichung in einer Fachzeitschrift für Diabetiker zeigt, haben Diabetiker – unabhängig ob vom Typ 1 oder Typ 2 – dreimal so oft eine bakterielle Zahnbettinfektion (Parodontitis) wie Nicht-Erkrankte. Problematisch ist auch, dass bei den „Zuckerkranken" die Zahnbettentzündung belastender verläuft: Sie entwickelt sich schneller und schwerer und führt öfter zu Zahnverlust als bei gesunden Patienten. Die betroffenen Patienten müssen daher häufiger als gesunde Patienten Kontrolluntersuchungen beim Zahnarzt wahrnehmen, mehr Aufwand mit sehr sorgfältiger Mundhygiene betreiben und ihren Blutzuckerspiegel immer gut eingestellt halten. Bei Verdacht, dass etwas aus dem Ruder gelaufen sein könnte mit der empfindlichen Mundgesundheit, sollte sicherheitshalber ein Zahnarzt aufgesucht werden. Problematisch ist die Verbindung von Diabetes und Parodontitis aber auch umgekehrt: Ist dauerhaft eine Entzündung im Mund (Parodontitis) und befindet sich das Immunsystem ständig im Abwehrmodus, senkt das die Wirkung des Insulins. Dadurch kommt der Blutzuckerspiegel aus dem Lot.

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Aktuelles aus der Praxis

Weltweite Umfrage: Wie steht es um die Mundgesundheit?

Zu interessanten Daten kam die vom Unternehmen Philips weltweit erhobene Studie zu Wissen und Verhalten von Patienten rund um die Mundgesundheit. Die für Deutschland relevanten Antworten (rund 2100 Befragte ab 18 Jahren) wurden kürzlich in einem Artikel in einer zahnärztlichen Fachzeitschrift vorgestellt. Demnach finden es in Deutschland erheblich weniger Eltern (35 %) als in den USA (50 %) oder in Australien (59 %) schwierig, ihre Kinder zu regelmäßiger Zahnpflege anzuhalten. Für Deutsche ist der Zusammenhang von Mundhygiene und Zahnschäden sehr vertraut, rund 72 % meinen, wenn die Zahnpflege nachlässt, steigt das Risiko von Zahnverlust. Zähneputzen wird aber auch bei aufgeklärten Patienten manchmal vergessen, vor allem vor dem Schlafengehen (43 %) oder gleich nach dem Aufstehen (36 %) und von Männern (41 %) eher als von Frauen (31 %). Während in vielen anderen Ländern Menschen auf der Suche nach Gesundheitsempfehlungen eher die Familie oder das Internet befragen, nutzen die Deutschen eher Ärzte (77 %), Zahnärzte (64 %) und Apotheker (39 %). Drei von vier Deutschen legen großen Wert darauf, bei besonderen Anlässen auch ein besonders gesund aussehendes Lächeln zeigen zu können. Welche Rolle Ernährung und Mundhygiene für „weiße Zähne" spielen, wissen zwei von fünf Deutschen dagegen nicht. Und rund ein Sechstel der Befragten wusste nicht, wie man seine Mundgesundheit verbessern kann. Wenn ein bisschen Geld übrig wäre, würden 27 % der Befragten eine Massage buchen, 24 % einen Haarschnitt – und 19 % eine professionelle Zahnreinigung.

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Immunsystem: Geschmacksstoffe können stimulieren

Wie eine kürzlich im Deutschen Ärzteblatt veröffentliche Studie zeigt, haben bestimmte Geschmacksstoffe aus der Nahrung das Potential, das Immunsystem zu stimulieren. Das geschieht über den menschlichen Speichel. Dieser enthält in seinen wenigen festen Bestandteilen auch antibakteriell wirkende Moleküle. Wie die Wissenschaftler an der TU München herausfanden, verändert aufgenommene Nahrung die Zusammensetzung des Speichels und insbesondere hier diejenige der verschiedenen Moleküle. Bei wurde deutlich, dass insbesondere Zitronensäure und scharfe Ingwer-Stoffe das über Moleküle gesteuerte Abwehrsystemsehr deutlich aktivierten. Diese bisher als eher gering eingeschätzte Rolle der Speichel-Moleküle reichte allerdings aus, um das Wachstum spezieller Krankheitskeime fast vollständig zu unterbinden. Geschmacksgebende Stoffe, so die Wissenschaftler, besitzen also biologische Wirkungen, die über die rein geschmacklichen weit hinausgehen.

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Urlaub: auch für den Zahnersatz?

Steht eine größere Reise an, empfiehlt das Kuratorium perfekter Zahnersatz die Beachtung einiger Empfehlungen – diese haben sie vor wenigen Wochen der Fachöffentlichkeit übermittelt. Dazu gehört, den Zahnersatz, die Prothese, regelmäßig reinigen zu lassen, insbesondere rechtzeitig vor Reiseantritt. Auch die Zahngesundheit sollte dabei überprüft werden. Zeigten sich erste Störungen oder Verletzungen, kann dies oft noch vor Reisebeginn korrigiert werden.  Je intensiver man von seinem Zahnersatz abhängig ist, umso wichtiger wäre es zudem, über eine „Zweitprothese" für den Notfall nachzudenken – so kann der Urlaub gerettet werden, wenn beim Frühstücksbrötchen der Zahnersatz bricht. In der Regel sei es günstiger, gleich bei Anfertigung der Hauptprothese eine zweite herstellen zu lassen – so wie nicht wenige Brillenträger auch eine Zweitbrille zur Sicherheit dabeihaben. Nach Rückkehr könne die Hauptprothese dann fachgerecht repariert werden.  Dass eine sachgerechte Reinigung von Zähnen und auch Zahnersatz niemals „Urlaub" hat, sei selbstverständlich.

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Noch in Prüfung: Parodontitis und Krebs

Immer mehr allgemeinmedizinische Forschergruppen widmen sich bei der Suche nach Ursachen für Erkrankungen wie Diabetes, Herz-Infektionen oder Rheuma auch der Frage nach Zusammenhängen mit chronischen Infektionen im Mund, also Parodontitis-Erkrankungen. Anlass dafür ist die Feststellung, dass klassische Parodontitis-Keime vermehrt bei solchen allgemeinmedizinischen Erkrankungen entdeckt wurden und vor allem in deutlicher höherer Konzentration als bei gesunden Vergleichspatienten. Nun haben auch Krebs-Forscher den Zusammenhang von Parodontitis-Keimen und Krebserkrankungen untersucht. Bei einer Studie an rund 7500 Patienten zeigte sich ein um 24 % höheres Risiko, eine Krebserkrankung zu entwickeln, bei denjenigen Patienten, die zugleich eine schwere Parodontitis hatten. Insbesondere bei Lungen- und Darmkrebs fielen solche Zusammenhänge auf, wie vor wenigen Wochen ein zahnärztliches Fachjournal berichtete. Derzeit gibt es nur diese Daten – nicht untersucht ist bislang, ob es einen direkten Zusammenhang gibt oder eine gemeinsame ungesunde Grund-Situation des Patienten. So ist Rauchen als Risikofaktor für beide Erkrankungen, insbesondere Lungenkrebs, längst identifiziert. Ob es darüber hinaus noch weitere Verbindungen gibt und eine Parodontitis-Behandlung das Risiko, einen Krebs zu entwickeln, senken kann, ist Gegenstand weiterer Forschung.

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Parodontitis: Zusammenhang mit Piercing

Wie ein Parodontologie-Wissenschaftler an der Universität Basel herausfand und kürzlich berichtete, haben Zungen- und Lippen-Piercings direkte und auch lokal sichtbare Folgen auf die Gesundheit des Zahnbettes. Es zeigte sich, dass insbesondere an den Stellen, wo das Zahnfleisch mit dem Piercing in Kontakt kam, deutlich erhöhte Entzündungswerte vorlagen. Die betroffenen Zähne in dieser Region waren im Vergleich zu den übrigen Zähnen im Mund entzündungsbedingt teilweise stark gelockert, die Zahnbettentzündung (Parodontitis) an diesen Zähnen war stärker, und es blutete bei der Untersuchung intensiver. Weitere Beobachtungen bestätigen die Entdeckung: Während ansonsten die Zahn- und Zahnbettgesundheit in Ordnung war, war das Gewebe im Kontaktbereich mit dem Piercing entzündet und teilweise bereits zerstört. Grund ist die „Fehlbelastung", der chronische Druck durch die unnatürlichen Kontakte. Auch sehr aufwändige und belastende zahnmedizinische Verfahren, nach Entfernen des Piercings den Zustand des Zahngewebes wieder zu verbessern, führen gerade im ästhetisch wichtigen Frontzahnbereich zu oft nicht wirklich befriedigenden Ergebnissen. Die Wissenschaftler wollen diese (und weitere) Erkenntnisse noch ausführlicher der Öffentlichkeit vorstellen, um vor Piercings im Mund eindringlich zu warnen.

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Zahnimplantate: Gleiche Pflege wie natürliche Zähne

Eine von Patienten oft gestellte Frage hat Prof. Dr. Frank Schwarz, Präsident der wissenschaftlichen Fachgesellschaft für Implantologie, DGI, kürzlich mit einer entsprechenden Empfehlung beantwortet. Wie rund um natürliche Zähne kann sich auch rund um Implantate das Mund-Gewebe entzünden. Eine aktuelle Studie zeigte, dass neun Jahre nach Einsetzen des Implantates bei rund jedem dritten Patienten eine oberflächliche Zahnfleischentzündung festgestellt wurde. Bei fast jedem Zweiten aus dieser Gruppe hatte sich die oberflächlich begonnene Entzündung bereits weiter in den Kieferknochen ausgebreitet und dort zu beginnendem Knochenabbau geführt. Verhindern kann man dies mit den gleichen Mitteln, wie auch solchen Entwicklungen um natürliche Zähne vorgebeugt werden kann: mit ausreichend intensiver Mundhygiene. Der Zahnbelag rund um das Implantat ist der gleiche wie der rund um den Zahn – und ebenso, wie man durch eine verstärkte Mundhygiene, zumal mit professioneller Begleitung in der Zahnarztpraxis, auch eine Infektion rund um den natürlichen Zahn wieder zur Abheilung bringen kann, kann dies auch bei einem Implantat gelingen. Meist zeigen sich erste Anzeichen einer Zahnfleischbelastung schon nach zwei oder drei Jahren mit dem neuen Implantat. Optimierte Mundhygiene kann manchmal das Fortschreiten der tiefergehenden Entzündung und damit auch das Risiko des Implantatverlustes reduzieren oder stoppen.

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Bundeszahnärztekammer: Zuckerkonsum muss gesenkt werden

Nur, wer sich auskennt, wieviel Zucker in welchen Lebensmitteln enthalten ist, kann einschätzen, wann er die von der WHO geforderte Maximalmenge an Zucker erreicht hat: Rund 8 Zuckerwürfel sind seitens der Weltgesundheitsorganisation als Maximalverbrauch pro Tag definiert. Ein Glas handelsüblicher Apfel- oder Orangensaft erfüllt diesen Wert bereits und liegt damit gleichauf mit zuckerhaltiger Limonade. Um insbesondere die Kinder und bei ihnen nicht zuletzt deren Milchzähne vor zuviel Zuckerbelastung zu schützen, unterstützt die Bundeszahnärztekammer (BZÄK), wie eine entsprechende Information Mitte Juli zeigt, Empfehlungen, den Zuckerkonsum insgesamt zu reduzieren. Insbesondere in Kindertagesstätten und Schulen solle auf eine gesunde Ernährung geachtet werden, zudem sollten die Eltern noch intensiver aufgeklärt werden, welche Rolle Zucker in Speisen und Getränken spielt und welche Auswirkungen Zucker insbesondere auf das Risiko zahnmedizinischer Erkrankungen hat.  Unausgewogene Ernährung und übermäßiger Zuckerkonsum schadeten, so BZÄK-Vizepräsident Prof. Dr. Dietmar Oesterreich, sowohl der Allgemeingesundheit als auch der Mundgesundheit. Im Kleinkindalter würden die Grundlagen für die Gesundheit von Körper und auch Mund gelegt, hier sei der richtige Zeitpunkt, notwendige Maßnahmen zum Schutz vor zuviel Zucker zu starten.

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Parodontitis: Lebenslange Nachsorge empfohlen

Ende Juni dieses Jahres tagte der weltgrößte Parodontologenkongress EuroPerio in Amsterdam.  Teilnehmer aus 111 Nationen kamen zusammen, um aktuelles Wissen um Entstehung und Behandlung von Parodontitis und weiteren Erkrankungen rund um das Zahnbett auszutauschen und aufzufrischen. Zu den Themen gehörte auch die regelmäßige Nachsorge bei Parodontitis-Patienten. Während hierzulande auf der politischen Bühne dafür eine nicht ausreichende Evidenz unterstellt wurde, waren sich die Fachleute aller Nationen einig, dass methodische Mängel zu dieser Kritik geführt hatten und sie nicht aufrechterhalten werden kann. Bei einem speziellen Workshop im Rahmen des Kongresses hielten die Experten aller Länder fest, dass Parodontitis-Patienten lebenslanger Nachsorgebetreuung bedürfen. Studien zeigten, dass bei Bedarf engmaschige Intervalle bei der Nachsorge sehr deutlich Zahnverlusten vorbeugen konnten. Zahnverluste sind eine häufige Folge von fortgeschrittener Parodontitis; kann der durch Behandlung erreichte gesundete Zustand aufgrund regelmäßiger Nachsorge erhalten werden, sinkt das Zahnverlustrisiko erheblich.

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