11. Medikamentöse Krebstherapie: Folgen für den Mundraum

Menschen, die aufgrund ihrer Krebserkrankung mit aggressiven Medikamenten behandelt werden, leiden auch im Mundraum oft unter belastenden Folgen. Dazu zähle, so Wissenschaftler Prof. Dr. Dr. Knut A. Grötz, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Implantologie kürzlich beim Kongress der Fachgesellschaft in Wiesbaden, auch eine schmerzhafte entzündete Mundschleimhaut, die für die betroffenen Patienten sehr quälend sein könne. Eine solcherart belastete Mundschleimhaut vertrage keinen Stress durch eine klassische Prothese, so Grötz. Dagegen könne eine Implantat-Versorgung für eine Erleichterung durch Entlastung von Störmomenten nützen. Auch bei der Behandlung mit sogenannten Bisphosphonaten seien Implantate nicht mehr automatisch kritisch zu sehen: Zwar träfe es zu, dass manche Menschen unter Bisphosphonat-Behandlung zu Kieferknochen-Auflösungen neigten, es gebe aber auch weitere ungünstige Belastungen des Mund-Systems durch Zahnbettentzündungen und Druck durch eine (möglicherweise inzwischen) falsch sitzende Prothese. Es sei also immer individuell abzuwägen, ob eine stabile Implantatversorgung die zusätzlich belastenden Faktoren minimieren und die Kiefer- und Mundgesundheit längerfristig verbessern oder zumindest erhalten könnten.

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Aktuelles aus der Praxis

„Kreidezähne“: Bisphenol A vermutlich nicht Auslöser

Seit die ersten und sich erheblich häufenden Fälle an „Kreidezähnen" bei den Kindern auftraten, wird intensiv nach den zuständigen Ursachen geforscht. Dabei geraten auch immer wieder sogenannte Umwelt-Chemikalien in den Blickpunkt, die in der Alltagswelt der Kinder eine Rolle spielen. Lange Zeit stand diesbezüglich „Bisphenol A" auf der Liste der potentiellen Auslöser. Die Ursachensuche hat Relevanz: Derzeit ist fast jedes dritte 12-jährige Kind von MIH (Molaren-Inzisiven-Hypomineralisation, „Kreidezähne") betroffen. Während man nach wie vor keine direkten Auslöser der Zahnbildungsstörung hat festmachen können, rutschen erste „Hauptverdächtige" aufgrund weiterer Untersuchungen gerade wieder eher aus dem Zentrum des Verdachts: Wie eine Antwort der Bundesregierung von Mitte Mai 2019 auf eine Anfrage der Bundestagsfraktion Bündnis 90/die Grünen darstellte, werde ein direkter Zusammenhang von Bisphenol A und MIH derzeit als eher „unwahrscheinlich" erachtet. Die Bundesregierung bezieht sich dabei auf eine entsprechende Ausarbeitung des Bundesinstitutes für Risikobewertung (BFR). Einig sind sich alle Seiten, dass weitere Forschungsanstrengungen zwingend seien.

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Zähne bleichen: auch nach Wurzelkanalbehandlung?

Wissenschaftler der Stockton Universität in New Jersey (USA) sind der Frage nachgegangen, welche Folgen Zähnebleichen (Bleaching) für die Zahngesundheit hat – insbesondere dann, wenn vor dem Bleachen eine Wurzelbehandlung erfolgte. Im Fokus steht dabei Wasserstoffperoxid, das bei der überwiegenden Anzahl an Bleaching-Produkten für die Aufhellungswirkung zuständig ist. Was sich zeigte: Wasserstoffperoxid durchdringt alle Schichten eines Zahnes und lässt Kollagene zerfallen, die zu den Bausteinen des Dentins gehören. Je öfter der Zahn gebleicht wird, umso größer die Anzahl der zerstörten Kollagene. Was sich dabei auch zeigte: Ist der Zahn gesund, ist er in der Lage, über die Zellwachstum steuernde Pulpa (Zahnwurzelgefäße) die Zerstörung mehr oder weniger auszugleichen und den Schaden zu reduzieren. Anders sieht das aus, wenn der Zahn wurzelbehandelt ist: Dann fällt diese Möglichkeit der Regeneration weg. Die Wissenschaftler legen damit die zu bedenkenden Konsequenzen auf den Tisch: Bei wurzelbehandelten Zähnen muss Art und Umfang des Zähnebleichens intensiver bedacht werden.

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Frauenärzte warnen Schwangere: Zahngesundheit ernstnehmen

Nicht nur die Zahnärzte, sondern beispielsweise auch die Frauenärzte erachten sorgfältige Mundhygiene und auch intensivierte Kontrolltermine im Zeitraum der Schwangerschaft als notwendig. Wie die Initiative „Frauenärzte im Netz" kürzlich in einer Meldung herausstellte, birgt die hormonell spezielle Situation der werdenden Mütter ein erhöhtes Risiko für die Entwicklung von Zahnfleisch- und Zahnbettentzündungen. Die Hormonumstellung führt zu einer Lockerung des Bindegewebes, die Schleimhaut wird durchlässiger, meist sind die Blutgefäße erweitert: Das kann dazu führen, dass Keime leichter in das Gewebe eindringen können. Umso wichtiger ist es, gerade in dieser Lebensphase dafür zu sorgen, dass keimhaltige Zahnbeläge so rasch wie möglich entfernt werden – durch sorgfältige Zahn- und Zahnfleischrand-Reinigung, am besten mit einer weichen Zahnbürste. Etwa im 4. und im 8. Monat mindestens ist eine Zahngesundheitskontrolle empfehlenswert, so die Frauenärzte-Organisation.

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Zahnschmerzen: strahlender Schmerz

Wer jemals Zahnschmerzen hatte, weiß: Der Schmerz kann ausstrahlen. Manchmal sind nur Ober- oder Unterkiefer betroffen, manchmal zieht er bis hinauf in die Schläfenregion. Es kann aber auch sein, dass die Ursache des Zahnschmerzes gar nicht im Zahn selbst, in Form einer Karies beispielsweise, zu finden ist: Wie die Initiative proDente, ein zahnmedizinischer Informationsservice, vor Kurzem berichtete, können auch Schmerzen als Begleitsymptome anderer Erkrankungen bis in den Mund ausstrahlen. Es ist demnach gar nicht so selten, dass Brustschmerzen bei Herzinfarkt auch im Kiefer zu spüren sind. Ist die Nasennebenhöhle entzündet, kann der Infekt die Backenzahnwurzeln im Oberkiefer tangieren. Kopfschmerzen, Ohrenentzündung, Gürtelrose, Migräne: Die Liste der Allgemeinerkrankungen, die auch im Mund zu Schmerzen führen können, ist recht lang. Was auch bedeutet: Ein Zahnarzt braucht, wenn zahnbezogene Defekte nicht ganz offensichtlich sind, auch allgemeingesundheitliches Wissen, um die Ursachen des Zahnschmerzes herauszufinden und entsprechend andere Fachkollegen einzubeziehen.

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Zahnbettentzündung: kann Ernährung helfen?

Mit einer interessanten Frage befasste sich ein Wissenschaftlerteam des Universitätsklinikums Freiburg: Können Parodontitis-Patienten durch eine Änderung des Ernährungsverhaltens die Entzündung reduzieren und die Heilung der infizierten Bereiche verbessern? Um dies zu prüfen, werteten sie vielfältige Studien aus und veröffentlichten ihr Resümee in einem Fachzeitungs-Artikel. Zu den Empfehlungen gehört demnach der möglichst weitgehende Verzicht auf sogenannte „einfache Kohlenhydrate" (Zucker, Gebäck etc.), da diese auf Umwegen Entzündungen eher fördern. Reduzieren sollte man „gesättigte Fettsäuren" (Frittierfette, Margarine, Wurst etc.), ausbauen dagegen die Aufnahme von Omega-3-Fettsäuren (Seefisch, Leinöl, Walnüsse etc.). Gesundheitsförderlich sind demnach neben ausreichend Ballaststoffen vor allem auch Mikronährstoffe (Gemüse, Hülsenfrüchte, Nüsse, Obst etc.) aus der Nahrung, bei Bedarf ergänzt um zusätzliches Vitamin D (z.B. durch Nahrungsergänzungsmittel). Geachtet werden muss dabei auf eine ausreichende Aufnahme von Vitamin B12, denn ein Mangel steht in Zusammenhang mit Zahnbettentzündungen. Gesunder Tipp der Wissenschaftler für den Sommer: Blaubeeren!

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Gute Zähne: guter Schlaf?

Wie eine jüngst veröffentlichte Studie einer japanischen Forschergruppe ergab, liegt ein Zusammenhang von der Anzahl eigener Zähne und gesundem Schlaf nahe. Die Wissenschaftler hatten eine sehr große Anzahl an Senioren (weit über 20.000 Teilnehmer, Durchschnittsalter rund 75 Jahre) mit Blick auf deren Schlafqualität untersucht, da Schlafstörungen in Zusammenhang stehen beispielsweise mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Stoffwechselstörungen. Dabei zeigte sich, dass Studienteilnehmer mit weniger als zehn eigenen Zähnen auf deutlich weniger erholsame Schlafzeit kamen als die Vergleichs-Senioren, die Schlafzeit-Differenz lag bei zwei bis drei Stunden. Warum die fehlenden Zähne Einfluss auf die Schlafqualität und –dauer haben, ist bisher nicht erkannt, vermutet wird, dass die fehlenden Zähne Mund und Kiefer beim Schlaf in eine unnatürliche Position bringen und möglicherweise dadurch die Atmung verändern.

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Kleinkinder: Fluoridlack zur Prophylaxe

Anfang des Jahres haben Krankenkassen und die Kassenzahnärztliche Vereinigung eine Vereinbarung unterzeichnet, die die zahnärztlichen Früherkennungsuntersuchungen nunmehr auch für Kleinkinder ermöglicht: Die Krankenkassen tragen dafür die Kosten. Dabei geht es nicht nur um die reine Untersuchung, wie Dr. Wolfgang Eßer, Vorsitzender der Kassenzahnärztlichen Bundesvereinigung kürzlich in einem Beitrag in einer zahnärztlichen Fachzeitschrift darstellte, sondern auch um Vorsorgemaßnehmen, die die Zahngesundheit der Kleinkinder schützen. Als Beispiel nannte er die wiederholte Anwendung von Fluoridlack zur Schmelzhärtung. Das Ziel: der Entstehung einer sogenannten „Nuckelflaschenkaries" vorzubeugen. Ein sinnvoller Nebeneffekt des Schmelzschutzes ist, dass auch bereits entstandene erste leichte Schmelzschädigungen quasi wieder „repariert" werden können. So kann ohne Bohren eine beginnende Karies verhindert oder wenigstens deutlich hinausgezögert werden. Ein Anliegen der Zahnärzte ist nicht zuletzt, den Kindern eine Behandlung in Vollnarkose zu ersparen, weil mehrere verfaulte Zähne gezogen werden müssen: Notwendig sei es daher, solchen Entwicklungen durch regelmäßige Kontrolle, richtige Zahnpflege und schützenden Fluoridlack vorzubeugen.

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Implantate: Nachsorge immer mit einplanen

Für manche Patienten ist mit dem Einsetzen des implantatgetragenen Zahnersatzes die Behandlung abgeschlossen – eine riskante Haltung, denn das Zahnimplantat ersetzt zwar die verloren gegangene Zahnwurzel in vielerlei Hinsicht, ist aber anders als die natürlichen Zähne eher einer Infektion ausgesetzt. Ist das Gewebe rund um das Implantat entzündet, spricht man von einer „Periimplantitis". Je mehr Implantate pro Jahr in Deutschland gesetzt werden – die DGI/Deutsche Gesellschaft für Implantologie geht von rund 1 Millionen eingesetzter Implantate pro Jahr aus – desto größer ist natürlicherweise auch die Anzahl der Patienten, die mit dieser Zahnersatz-Form versorgt wurden. Und damit steigt auch der Kreis der Patienten, die periimplantär erkrankt sind oder ein Risiko für diese Infektion haben. Wie ein Beitrag in einem Fachjournal für zahnärztliche Mitarbeiter kürzlich darstellte, ist vielen Patienten nicht bewusst, dass sie schon vor der Implantation die regelmäßige Nachsorge mit ihrem Zahnarzt besprechen sollten – in welchem Zeitabstand sie notwendig ist, zeigt sich nach der Behandlung und unter Berücksichtigung der individuellen Gesundheitsvoraussetzungen. Es sei, so die Bilanz des Beitrags, auch finanziell erheblich günstiger, einer Infektion vorzubeugen als später aufwändig eine mögliche Korrektur der Implantate vornehmen zu müssen.

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