Metaanalyse: Parodontitis und Lungenkrebs

Es wird viel geforscht auf der Welt – wenn Wissenschaftler wissen wollen, was zu einem ganz bestimmten Aspekt in den vielen Studien herausgekommen ist, machen sie eine sogenannte Meta-Analyse: Sie erforschen, zu welchen übereinstimmenden Aussagen die entsprechenden Studien gekommen sind. Eine Forschergruppe in China hat nun eine Metaanalyse zum Thema Lungenkrebs und Parodontitis gemacht – genaugenommen eine weitere, bei der sie im Vergleich zu Vorgänger-Metaanalysen Störfaktoren ausklammerten, die das Studienergebnis hätten beeinflussen können. Warum überhaupt nach einer Verbindung gesucht wurde, ist mittlerweile belegt: Die chronifizierte Zahnbettentzündung Parodontitis steht mit allgemeinem Krebsgeschehen in Verbindung. Wie eine große zahnärztliche Fachzeitschrift gerade berichtete, hat sich nach Ausklammern gemeinsamer Risikofaktoren wie Rauchen, Diabetes und erhöhter Alkoholkonsum gezeigt, dass es über diese Risikofaktoren hinaus tatsächlich direkte Verbindungen von Parodontitis und Lungenkrebs gibt: Ein spezielles Mikrobiom, das bei Parodontitis-Patienten auch im Mund nachweisbar ist, findet sich auch in der Lunge und gilt als ein „Trigger", ein Förderer der Krebsentwicklung. Ob tatsächlich eine Ursache-Wirkung-Verbindung besteht, ist noch nicht abschließend geklärt – die Wissenschaftler empfehlen aber, sicherheitshalber eine Parodontitis zu verhindern bzw. sie so früh wie möglich behandeln zu lassen.

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Aktuelles aus der Praxis

MIH: Hauptsache schmerzfrei

Nach wie vor ist nicht bekannt, welche Ursachen hinter einer MIH (Molaren-Inzisiven-Hypomineralisation, eine Zahnbildungsstörung) bei Kindern stehen. Bekannt dagegen ist, welche Probleme eine solche Entwicklung bereitet. Weil diese Zähne sehr schmerzempfindlich sind und auch beispielsweise auf Kälte mit heftigem Schmerz reagieren, ist für viele dieser Kinder das notwendige Zähneputzen eine kaum erträgliche Tortur. Heute, so die Wissenschaftlerin Nadja-Marina Kellerhoff von der Universität Bern, steht daher die Schmerzfreiheit im Fokus der Behandlungskonzepte. Mit Fluoridlack beispielsweise lasse sich eine Art Schutzfilm über den porösen Zahnschmelz, genauer: die Dentinkanälchen legen, die mit der Pulpa und dem Zahnnerv verbunden sind. So wird das Schmerzgefühl etwas gelindert. Auch spezielle Zahnpasta (ohne Reizstoffe wie Menthol) und entsprechende Mundspülungen können helfen, die Sensibilität der Zähne etwas zu reduzieren und den Alltag, beispielsweise in der Schule, erträglicher zu machen. Trotz der Überempfindlichkeit geht kein Weg an sorgfältiger Mundhygiene vorbei, wie die Wissenschaftlerin in einem Fachbeitrag betont: Sonst kommen zu den Zahnbildungsstörungen noch Zahnschmelzdefekte aufgrund von Karies hinzu. Wichtig sei zu wissen: Für eine MIH können weder das Kind noch seine Eltern etwas, nur gemeinsam mit dem Praxisteam bekommt man diese belastende Entwicklung in den Griff.

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Nasennebenhöhlen: Entzündung auch zahnbedingt

Schätzungsweise zehn Prozent aller Nasennebenhöhlenentzündungen (Sinusitis) sind auf eine Störung der Mundgesundheit zurückzuführen, besagt eine aktuelle Veröffentlichung in einer großen zahnmedizinischen Fachzeitschrift: Mit Häufung in den Wintermonaten geht man von über zehn Millionen Fällen aus, darunter akute und chronische Formen. Letztlich gehen diese Entzündungen auf einen gestörten Abfluss der Sekrete zurück. Wenn die Infektion auf Mundstörungen zurückzuführen ist, sind häufig entzündete Zähne oder ein entzündeter Zahnhalteapparat die Ursache. Manchmal entwickelt sich auch eine „Entzündungsbahn" nach Entfernung eines Zahnes über die entstandene Tasche im Zahnbett (Alveole). Beobachtungen lassen annehmen, dass ein von Patienten geschildeter fauliger Geruch auf eine mögliche Beteiligung des Kiefers und/oder der Zähne an der Sinusitis schließen lassen. In der Regel lassen sich solche Mund-Nasen-Verbindungen und –Störungen über bildgebende Verfahren gut darstellen und geben damit Hinweise zu einer ursachenbezogenen Therapie.

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Atmungsstörungen: Schienentherapie jetzt Kassenleistung

Wenn die Gesetzlichen Krankenkassen eine Behandlungsform in ihren „Leistungskatalog" aufnehmen, bestätigen sie damit letztlich die Wirksamkeit des Verfahrens: Schließlich wird hart darum gekämpft, was die Solidargemeinschaft, die den Krankenkassen das Geld für die Übernahme von Therapiekosten mit ihren Beiträgen zur Verfügung stellt, an Behandlungen übernimmt und was nicht. Kürzlich hat es eine „Schienentherapie" neu in den Leistungskatalog gebracht, die sogenannte „Unterkieferprotrussionsschiene". Das bedeutet: Ähnlich wie die üblichen Knirscher-Schienen arbeiten im Ober- und Unterkiefer zwei Schienen zusammen. Sie sind mit Gelenken verbunden, die die Aufgabe haben, die Unterkieferschiene passend zu positionieren: Ziel ist, den Unterkiefer in eine Lage zu bringen, die eine Verengung der Atemwege verhindert. In der Regel muss der Unterkiefer dafür etwas nach vorne gezogen werden. Das ist eine große und inzwischen auch mit wissenschaftlicher Evidenz belegte Hilfe vor allem für solche Patienten, die nachts unter starkem Schnarchen, Atemstörungen oder Atemaussetzern leiden. Nunmehr werden die Kosten für solche Schienen auch von den Krankenkassen übernommen.

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SARS-CoV-2: auch Mundgefühl beeinträchtigt

Während es sich bereits herumgesprochen hat, dass Riechstörungen zu den eher typischen Symptomen bei einer Corona-Erkrankung („COVID-19") gehören, sind Auswirkungen auf das Mundgefühl noch weniger bekannt. Genau in diesem Bereich hat ein Klinik-Wissenschaftler-Team aus vielen Ländern mit einer Studie an rund 4000 COVID-19-Patienten zu einem Wissenszuwachs gesorgt. Getestet wurden die Probanden hinsichtlich Schmecken, Mundgefühl und Riechen – und ausgeschlossen wurden solche, die Erkältungssymptome hatten. Der Test ergab, dass im Durchschnitt der Geruchssinn bei rund vier von fünf Probanden abnahm, der Geschmackssinn bei zwei von drei Probanden und das Mundgefühl, das Empfinden der entsprechenden Sinneszellen, bei einem Drittel der Teilnehmer. Auffällig war, dass fast alle Probanden im Verlauf ihrer Erkrankung alle drei der vorgenannten Sinnesempfindungsstörungen gehabt hatten. Das bestätigt, dass es bei COVID-19 nicht nur häufig im Bereich der Nase, sondern auch im Mund zu Beeinträchtigung des sensorischen Empfindens kommt.

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Kinder und Zahnfleischerkrankungen: auf Eltern schauen

Schon seit vielen Jahren bestätigen Studien immer wieder einen Zusammenhang von Elternhaus und Auftreten von Karies bei Kindern: Bildung und auch das verfügbare Haushaltseinkommen spielen offenkundig ein Rolle dabei, ob das Kind eher zu Karies neigt oder eher nicht. Je sozioökonomisch schwächer die Familie ist, desto höher ist das Risiko für Karies bei den Kindern. Dass sich die Lage der Familie auch auf die Zahnfleischgesundheit auswirkt, ist dagegen noch wenig Thema in der Wissenschaft gewesen. Das ändert sich jetzt – begründet, wie eine aktuelle australische Studie zeigt. Die Forscher untersuchten den zuvor genannten Zusammenhang mit Blick auf die Häufigkeit von Zahnfleischentzündungen (Gingivitis) und werteten dafür zurückliegende Studien entsprechend aus. Rund 32 Studien aus über 15 Ländern konnten herangezogen werden. Das Ergebnis zeigt, dass wie bei Karies die Rahmenbedingungen für die Familie Einfluss auf die Mundgesundheit haben. Je belasteter das Lebensumfeld der Kinder ist, desto höher ist auch ihr Anteil unter den Kindern mit Zahnfleischentzündungen. Nicht nur Bildung und Einkommen fielen hier als Faktoren auf, sondern auch Arbeitslosigkeit der Eltern und, für die Wissenschaftler ein nicht erwartetes Ergebnis, die „Überfüllung eines Haushaltes", wenn zuviele Menschen auf zu engem Raum zusammenleben. Vermutlich sei die Überforderung der Eltern ein wichtiger Problem-Punkt für die Mundgesundheit ihrer Kinder. Der Ansatz dieser Studie soll nun weiterentwickelt und das Wissen durch weitere Studien vertieft werden.

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COVID-19: Sind Zahnarztpraxen sicher?

Die von Patienten oft gestellte Frage nach der Sicherheit von Zahnarztpraxen in Corona-Zeiten kann mit dem Ergebnis einer Studie inzwischen klar mit „Ja" beantwortet werden: Wie diese kürzlich veröffentlichte Studie zeigt, sogar sehr deutlich. Erhoben wurde sie von italienischen Forschern, die sich in der Hochphase der Infektion in der Lombardei fragten, welchen Risiken die Teams in den Zahnarztpraxen und in den Kliniken ausgesetzt sind. Das Ergebnis spricht klar für die zahnärztlichen Praxen: Hier lag das Infektionsrisiko bei null Prozent sowohl für die Zahnärzte selbst als auch für die Zahnmedizinischen Fachassistentinnen. Dagegen fanden sich Ansteckungen bei 7,7 Prozent der Krankenschwestern. Besondere Relevanz hat die Studie auch deshalb, weil es bis Ende Mai in dieser Region keinerlei spezielle Richtlinien für Zahnarztpraxen gab. Bis dahin hatten die Zahnärzte, zumal im Öffentlichen Gesundheitsdienst, eigenständig Infektionsschutzmaßnahmen entwickelt. Sie erwiesen sich demnach als sehr wirksam. Ohnehin schon arbeiten die Zahnärzte generell auf sehr hohem Infektionsschutz-Niveau – beispielsweise ist Mundschutz in Zahnarztpraxen üblich, während er in manchen Arztpraxen lange nicht genutzt wurde.

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MIH: nichts Neues?

Was so kryptisch in der Überschrift steht, würde ausgeschrieben den vorgegebenen Platz sprengen: Bisher ging man davon aus, dass die Zahnschmelz-Anomalie MIH (Molaren-Inzisiven-Hypermineralisation) ein eher jüngeres Phänomen ist. Das erweist sich als falsch, wie kürzlich eine Gruppe deutscher zahnmedizinischer Wissenschaftler in einem Fachartikel in einer zahnärztlichen Zeitschrift berichtete. Offenbar wurde bereits im Jahr 1893 in Chicago beim zweiten Internationalen Dental-Kongress auf solche Schmelz-Veränderungen hingewiesen. Zwei Jahre später erschien zum Thema eine erste Übersicht über solcherart Entwicklungsstörungen von Geburt bis zum 8. Lebensjahr. Was damals veröffentlich wurde, ist bis heute gültig und nicht durch vielfältige aktuelle Untersuchungen widerlegt. Es gebe sowohl genetische Gründe (Dysplasien) als auch nicht genetische Ursachen (Hypoplasien) für diese Schmelzbildungstörung – um nur zwei von vielen anderen möglichen Zusammenhängen anzusprechen. Auch die Einnahme von Medikamenten oder eine Ernährungsstörung in relevantem Lebensalter kann zu einer Schmelzbildungsstörung führen. Der Begriff MIH sei zwar auch in den Publikumsmedien etabliert, so die Wissenschaftler, decke aber nicht die große Vielfalt an Ursachen und Art von Schmelzdefekten ab. Zumindest können optisch als störend empfundene Flecken heute oft gut behandelt werden, um den Mundeindruck zu verbessern.

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