Metaanalyse: Parodontitis und Lungenkrebs

Es wird viel geforscht auf der Welt – wenn Wissenschaftler wissen wollen, was zu einem ganz bestimmten Aspekt in den vielen Studien herausgekommen ist, machen sie eine sogenannte Meta-Analyse: Sie erforschen, zu welchen übereinstimmenden Aussagen die entsprechenden Studien gekommen sind. Eine Forschergruppe in China hat nun eine Metaanalyse zum Thema Lungenkrebs und Parodontitis gemacht – genaugenommen eine weitere, bei der sie im Vergleich zu Vorgänger-Metaanalysen Störfaktoren ausklammerten, die das Studienergebnis hätten beeinflussen können. Warum überhaupt nach einer Verbindung gesucht wurde, ist mittlerweile belegt: Die chronifizierte Zahnbettentzündung Parodontitis steht mit allgemeinem Krebsgeschehen in Verbindung. Wie eine große zahnärztliche Fachzeitschrift gerade berichtete, hat sich nach Ausklammern gemeinsamer Risikofaktoren wie Rauchen, Diabetes und erhöhter Alkoholkonsum gezeigt, dass es über diese Risikofaktoren hinaus tatsächlich direkte Verbindungen von Parodontitis und Lungenkrebs gibt: Ein spezielles Mikrobiom, das bei Parodontitis-Patienten auch im Mund nachweisbar ist, findet sich auch in der Lunge und gilt als ein „Trigger", ein Förderer der Krebsentwicklung. Ob tatsächlich eine Ursache-Wirkung-Verbindung besteht, ist noch nicht abschließend geklärt – die Wissenschaftler empfehlen aber, sicherheitshalber eine Parodontitis zu verhindern bzw. sie so früh wie möglich behandeln zu lassen.

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Aktuelles aus der Praxis

MIH: nichts Neues?

Was so kryptisch in der Überschrift steht, würde ausgeschrieben den vorgegebenen Platz sprengen: Bisher ging man davon aus, dass die Zahnschmelz-Anomalie MIH (Molaren-Inzisiven-Hypermineralisation) ein eher jüngeres Phänomen ist. Das erweist sich als falsch, wie kürzlich eine Gruppe deutscher zahnmedizinischer Wissenschaftler in einem Fachartikel in einer zahnärztlichen Zeitschrift berichtete. Offenbar wurde bereits im Jahr 1893 in Chicago beim zweiten Internationalen Dental-Kongress auf solche Schmelz-Veränderungen hingewiesen. Zwei Jahre später erschien zum Thema eine erste Übersicht über solcherart Entwicklungsstörungen von Geburt bis zum 8. Lebensjahr. Was damals veröffentlich wurde, ist bis heute gültig und nicht durch vielfältige aktuelle Untersuchungen widerlegt. Es gebe sowohl genetische Gründe (Dysplasien) als auch nicht genetische Ursachen (Hypoplasien) für diese Schmelzbildungstörung – um nur zwei von vielen anderen möglichen Zusammenhängen anzusprechen. Auch die Einnahme von Medikamenten oder eine Ernährungsstörung in relevantem Lebensalter kann zu einer Schmelzbildungsstörung führen. Der Begriff MIH sei zwar auch in den Publikumsmedien etabliert, so die Wissenschaftler, decke aber nicht die große Vielfalt an Ursachen und Art von Schmelzdefekten ab. Zumindest können optisch als störend empfundene Flecken heute oft gut behandelt werden, um den Mundeindruck zu verbessern.

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Fluoride: ihre Rolle in der Ernährung

Aus Anlass des diesjährigen Tages der Zahngesundheit, der unter dem Thema Mundgesundheit und Ernährung stand, hat die Informationsstelle für Kariesprophylaxe unter Leitung ihres Vorsitzenden Prof. Dr. Stefan Zimmer (Universität Witten-Herdecke) die aktuellen Informationen zum Thema Fluoride und Ernährung zusammengefasst. Demnach kommen die für den Zahnschutz wichtigen Fluoride natürlicherseits in der Ernährung vor, beispielsweise in Milch- und Vollkornprodukten, in Fleisch und Fisch und nicht zuletzt im Wasser. Das in Deutschland allerdings eher geringe Vorkommen in der Nahrung reiche aber nicht aus, um den Bedarf insbesondere der Erwachsenen zu decken: Über Essen und Trinken nehmen die Bundesbürger nur einen Bruchteil der empfohlenen Fluorid-Menge zu sich. Während in manchen Ländern daher dem Leitungswasser etwas Fluorid zugegeben wird, ist dies in Deutschland laut Lebensmittelrecht verboten – die Informationsstelle plädiert daher dafür, die Differenz zum Bedarf auf anderen Wegen auszugleichen. Beispielsweise sei die karieshemmende Wirkung von fluoridiertem Speisesalz in zahlreichen Studien belegt. Es wirke bei der Nahrungsaufnahme vor allem lokal. Um ein individuelles Fluorid-Konzept für einen Patienten zu erstellen, müsse allerdings neben der Aufnahme von Fluorid über die Ernährung der Fluoridgehalt des örtlichen Leitungswassers und der genutzten Mineralwässer überprüft werden: Eine Über-Fluoridierung gelte es zu vermeiden.

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Wirbelsäule: Rolle der Zähne

Wer sich schon etwas mehr mit dem Thema „CMD" (Craniomandibuläre Dysfunktion) befasst hat, weiß, dass die Stellung der Kiefer zueinander Auswirkungen haben kann beispielsweise auf die Position der Hüften oder auch auf eine Beinlängerdifferenz. Letztlich ist das nicht weiter verwunderlich: Über die Wirbelsäule und ein sensibles Netz aus Muskeln und Sehnen sind alle Körperbereiche miteinander verbunden. Insofern ist es ebenfalls nicht verwunderlich, wenn beispielsweise verschieden lange Beine über eine Fehlstellung der Hüfte auch zu einer Fehlstellung der Kiefer führen können. Frankfurter Wissenschaftler haben sich kürzlich genau diesen Zusammenhängen gewidmet und eine Studie angelegt und ausgewertet, die viele die Fragestellung berührende Störaspekte in der Teilnehmergruppe von vornherein ausschloss, um klarere Zusammenhänge zu entdecken. Zu den Erkenntnissen gehört, dass deutliches Übergewicht zu einer Verlagerung des Gewichtes auf den Vorderfuß führte. Dies wiederum hatte zur Folge, dass die Probandinnen nur eingeschränkt Kieferbewegungen nach links ausführen konnten. Was Ursache und Wirkung ist, ob die Bewegungseinschränkung des Kiefers über den Vorderfuß ausbalanciert wird oder umgekehrt, und ob sich daraus eine Bedeutung für die zahnärztliche Therapie ergeben könnte, wollen die Wissenschaftler weiter überprüfen. Derzeit sei das lediglich eine Beobachtung – wenn auch eine interessante.

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Studien erhärten Effekt auf Sars-CoV-2: Mundspüllösungen

Es schien zu schön, um wahr zu sein: Können Mundspüllösungen einen Effekt auf die Reduzierung von Virenbelastung haben? Eine amerikanische Wissenschaftlergruppe hat zumindest Überlegungen untermauern können, dass Mundspüllösungen eine Weiterverbreitung dieser Viren im Rachenraum vermindern. Zwar seien die Tests nicht spezifisch auf das Corona-Virus gemacht worden, der Effekt liesse sich aber auf diese Virengruppe übertragen. Wichtig sei, dass die Dauer der Mund-Spülung eine Minute nicht unterschreite, am besten werde sie noch etwas länger genutzt. Bisher hatten vor allem zahnärztliche Fachzeitschriften über solche Versuche berichtet, auch Hersteller von solcherart Mundspülungen haben diese Studien weiterverbreitet. Inzwischen nehmen aber auch andere Fachrichtungen diese Überlegungen und Ergebnisse ernst, wie aktuelle Veröffentlichungen auch in ärztlichen Medien zeigen.

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Tätowierungen: manchmal problematisch

Üblicherweise ist das Vorgehen einfach: Wenn chirurgisch ein Stück Haut transplantiert werden muss, um eine operierte Stelle in Mund auszugleichen, nutzen Mund-Kiefer-Gesichtschirurgen gern die zarte Haut am Unterarm als Entnahmestelle. Wie die Fachgesellschaft der Chirurgen kürzlich mitteilte, ist das bei Patienten mit einem Tattoo nicht ganz unproblematisch: Diese müssen damit rechnen, dass man bei ihnen später tätowiertes Zahnfleisch sieht. In einem Fachartikel zeigten sie Versuche, für einen Patienten ein notwendig großes Stück Unterarm-Hautgewebe zu entnehmen, ohne dabei viel vom Tattoo zu erwischen: Leider sei dies nicht möglich gewesen, hieß es. Mit Einverständnis des Patienten habe man sich aus gesundheitlichen Gründen für einen Hautlappen entschieden, bei dem noch Reste einer tätowierten Alkohol-Werbung erkennbar waren – die nun bei Mundöffnung sichtbar sind. Während das Transplantat im Mund sehr gut einheilte, war der Heilungsprozess im tätowierten Gebiet am Unterarm gestört. Warum dies der Fall war, muss weiter untersucht werden. Die Empfehlung darf aber gezogen werden, bei der Auswahl von Stellen für ein gewünschtes Tattoo sehr nachdenklich vorzugehen – man könnte demnächst mit einem nicht gewünschten Schriftzug lachen müssen...

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Kinderwunsch: vorher Zahngesundheit optimieren

Aufgrund vielfältiger negativer Einflüsse von Munderkrankungen auf die Entwicklung des werdenden Kindes und die Allgemeingesundheit der schwangeren Mutter empfahl die Bundeszahnärztekammer vor wenigen Wochen, so ein Fachjournal, eine Mundgesundheitsberatung bereits für Eltern mit Kinderwunsch: So könnten beispielsweise behandlungsbedürftige Schäden an den Zähnen oder kritische Entwicklungen im Bereich Zahnfleisch und Zahnbett rechtzeitig erkannt und behoben werden, ohne dass die möglicherweise invasiven Behandlungsschritte den Organismus in der erwarteten Schwangerschaft belasten. Ist die Mundgesundheit stabil, seien aber auch im vierten und im achten Monat Kontrolluntersuchungen im Rahmen der Schwangerschaftsprophylaxe möglich und in der Regel ausreichend. Die Beratung in der Zahnartpraxis gehe über die Mundgesundheits-Betreuung der Schwangeren hinaus und bereite auch auf die ersten Schritte zur zahngesundheitlichen Entwicklung des neugeborenen Kindes vor. Informiert werde dabei auch über eine oft noch unbekannte wichtige Rolle des Stillens: Das Saugen sei wichtig für eine gesunde Entwicklung des Mundes (Zunge, Lippen, Kiefer) – aber auch des ganzen Kopfes, sogar des Halses durch natürliche Beanspruchung der Muskulatur. Stillen sei insofern auch muskulär ein wichtiger Faktor für ein gesundes Wachstum.

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Milchzucker: wichtige Rolle beim Stillen

Wie eine aktuelle finnische Studie zeigt, spielen die speziellen Milchzucker-Anteile in der Muttermilch keine zahnschädigende Rolle, wie oft befürchtet wurde, sondern es könnte sogar das Gegenteil zutreffen: Den Studienergebnissen zufolge war es den klassischen Karies-verursachenden Bakterien sogar fast unmöglich, auf diesem speziellen Milchzucker zu wachsen. Getestet wurde das Bakterienwachstum im Vergleich mit anderen Zuckerarten, darunter „normale" Lactose (Milchzucker) und Glucose (Traubenzucker z.B.) und auch Xylit, einen Zuckerersatzstoff. Nur Xylit konnte die Bakterienkultur noch etwas ausbremsen. Die Forscher sehen es daher als sinnvoll und gerechtfertigt an, wenn solcherart Muttermilch"zucker" Produkten aus dem Bereich der Muttermilch-Ersatz-Nahrungsmittel beigefügt werden. Schädliche Effekte dieses spezifischen Milchzuckers konnten die Wissenschaftlicher nicht entdecken.

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Spinnenseide: warum bakterienfrei?

Wo keine Bakterien vorhanden sind, kann es auch keine Abwehr-Reaktionen geben und keine ausufernden Entzündungen als Faktor der körperlichen Infektionsabwehr. Diese weitgehend grundsätzliche Erkenntnis ist auch ein spannendes Thema in der Zahnmedizin. Wenn sich auf den Zähnen keine Bakterien festkleben, vermehren und zu Kolonien zusammenschließen können, würde es zu keiner Karies kommen. Zwar wären Zahnschäden durch Säuren (Erosionen) und Fehlbelastung (Knirschen, Pressen) nicht ausgeschlossen, aber die Schmelzbelastung durch bakteriell belastete Zahnbeläge wäre vom Tisch. Noch belastender sind Infektionen, die in Wunden im Weichgewebe entstehen – beispielsweise durch Wundeinlagen oder Naht-Material, wie ein aktueller Bericht in einer großen zahnärztlichen Zeitschrift zeigt. Ein interdisziplinäres Forscherteam an der Universität Bayreuth hat den Blick auf Spinnenseide geworfen, die sich als bakterienfrei erwiesen hat. Was macht diesen Effekt aus, war die Kernfrage. Gezeigt hat sich: Es sind die mikroskopisch winzigen Strukturen, die ein Anheften verhindern. Diese Erkenntnis hat die Bayreuther Wissenschaftler-Gruppe bei der Produktentwicklung genutzt: Die neuen Materialien machen nicht nur den Mikroben das Anheften scher, sondern auch den gewünschten menschlichen Zellen leicht. Das könnte nicht zuletzt für die Implantatbehandlung in Zukunft spannend werden.

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