Probiotika: für gesunden Biofilm

Genaugenommen ist der Mund ein ziemlich gut austariertes Biotop: Eine kaum überschaubare Menge an nützlichen und auch weniger nützlichen, bis hin zu Munderkrankungen fördernden Bakterien sorgt dafür, dass das Gleichgewicht gewahrt bleibt: Bakterienfamilien bekämpfen sich untereinander, und solange „die Guten" dabei gewinnen, stehen die Zeichen für die Mundgesundheit auf grün. Was viele Patienten nicht wissen: Man kann mit bestimmten Lebensmitteln „den Guten" die Arbeit erleichtern. In einer zahnmedizinischen Zeitung erschien kürzlich dazu ein interessanter Beitrag. Demnach haben Wissenschaftler der Deutschen Gesellschaft für Parodontologie bei einer Tagung darüber berichtet, dass sogenannte Probiotika eine nützliche Rolle für die Lebensgemeinschaft der Bakterien spielen. Beispielsweise können offenbar entsprechende Milchpulver-Produkte die Anzahl kariesbildender Bakterien reduzieren und das Kariesgeschehen bremsen. Und auch, wenn man noch nicht genau belegen konnte, warum das so ist, zeigte sich doch, dass probiotische Medikamente bei Parodontitis dazu beitragen, das Ausmaß der entzündeten Zahntaschen zu mildern – ähnlich stark wie bei lokalen Antibiotika-Gaben.

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Aktuelles aus der Praxis

Zimt: Antibakterielle Wirkung

Wie sich bereits bei zurückliegenden Studien und Tests gezeigt hat, gibt es Gewürze, die eine gewisse antibakterielle Wirkung haben. Ägyptische Wissenschaftler haben nun das Gewürz Zimt etwas näher betrachtet – und stellten fest: Potential ist hier vorhanden! Zimt erwies sich im Laborversuch als unterstützend hilfreich gegen Kariesbakterien, gegen bestimmte Mund-Pilze, und es verbesserte die Fluoridfreisetzung. Nun wird überlegt, wie diese Erkenntnis genutzt werden könnte. Dabei bietet sich Zimtöl in bestimmter Konzentration bei einer noch jungen Behandlungsform von Karies an: Dabei wird nicht bis zum letzten kariösen Kern der defekten Stelle alles zerstörte Gewebe herausgebohrt, sondern nur bis zu einer gewissen Tiefe, um die empfindliche Pulpa, das gefäßführende Zahninnere, nicht zu stressen. Über diese Rest-Karies wird eine Abdeckschicht gegeben, die die Bakterien in der Rest-Karies einschließt und sie im Verlauf einiger weniger Monate an der weiteren Zahngewebe-Zerstörung endgültig hindert. Die Forscher überlegen nun, ob es Sinn machen könnte, dieser Verschluss-Schicht antibakterielles Zimtöl beizufügen. Auch mit Thymian-Öl sind bereits erfolgreiche Versuche bekannt geworden. Man geht davon aus, dass die Inaktivierung der Bakterien in der Rest-Karies erfolgreicher und zeitlich beschleunigter erfolgen könnte. Dabei muss das Endprodukt seine Druckfestigkeit behalten, was derzeit noch weitere wissenschaftliche Tests erfordert.

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Zähneputzen: Kann man übertreiben?

Zu wenig Zähneputzen ist bekanntermaßen nicht gesund: Es werden dann zu spät Zahnbeläge entfernt, in denen Bakterien leben und durch ihre Stoffwechselprozesse zahnschädigende Säuren ausscheiden. Bleibt der Zahnbelag, die Plaque, noch länger vor Ort, bildet sich fester Zahnstein, der mit der Zahnbürste gar nicht mehr entfernbar ist. Dass zuviel Zähneputzen allerdings auch nicht zahngesund sein kann, darauf verwies kürzlich Prof. Dr. Stefan Zimmer, Präventivzahnmediziner an der Universität Witten-Herdecke, in einem Zeitungsartikel. Vor allem die Intensität des Zähneputzens geriet dabei in den Fokus: Zahnärzte sähen immer öfter Putzdefekte. Rillen oder dünner werdender Zahnschmelz seien die Folge von zu kräftigem Andruck der Zahnbürste, insbesondere beim Schrubben kann es zu Schmelzschäden kommen. Wie man es individuell richtig macht, kann man in der Zahnarztpraxis lernen. Professor Zimmer kommt es dabei vor allem darauf an, dass jeder Mensch andere Voraussetzungen mitbringt und insofern auch anders als beispielsweise seine Familienmitglieder Zahnpflege betreiben muss. Wie eine Studie unter seiner Leitung ergab, kann auch eine weiche Zahnbürste zu starkem Abrieb führen, man kann sich also nicht schützen, in dem man selbst einfach von einer harten zu einer weichen Zahnbürste wechselt. Insbesondere kommt es auf Druck und Führung der Zahnbürste an. Jeder könne selbst testen, wie lang eine optimale Zahnreinigung bei einem selbst dauern sollte: mit einer Färbetablette, die nicht erreichte Zahnbeläge anzeigt.

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Autoimmunerkrankungen: Belastungen für den Mund

Bei einer Autoimmunerkrankung bekämpfen die Antikörper keine Fremdstoffe, sondern Stoffe aus dem eigenen Körper – mit erheblichen bis lebensbedrohlichen Konsequenzen. In der Regel entwickeln sich bei solchen Autoimmunerkrankungen chronische Entzündungen. Diese führen je nach Art der Erkrankung im ganzen Körper oder in einzelnen Organen zu Zerstörungsprozessen, denen mit entsprechenden Medikamenten Einhalt oder zumindest Abschwächung geboten werden kann. Auch im Mund zeigen sich vielfältige Folgen, wie ein Fachbeitrag von DDr. Christa Eder in einer zahnärztlichen Zeitschrift zeigte. Folgen im Mund können sehr vielfältig sein: Sowohl der Kieferknochen, der Zahnhalteapparat, das Zahnfleisch als auch die Mundschleimhaut können betroffen sein – und zwar sowohl direkt durch die Erkrankung selbst als auch indirekt durch die bei Autoimmunerkrankungen oft eingesetzten Medikamente, die die Immunreaktionen „herunterfahren". Je nach gesundheitlichen Einschränkungen des an einer Autoimmunerkrankung leidenden Patienten bieten die Zahnarztpraxen viele Möglichkeiten für Mundpflege und Zahngesundheit von speziellen Mundhygienehilfsmitteln bis hin zu begleitenden Vorsorgebehandlungen. Diese Angebote sollten frühzeitig genutzt und mit der Entwicklung der Erkrankung angepasst werden.

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Anti-Viren-Hilfe: Mundspüllösungen

Es klingt zu schön, um wahr zu sein – und doch ist offensichtlich etwas dran an der Idee: mit Mundspüllösungen etwas gegen Corona-Virenbelastung tun zu können. Sogar das Deutsche Ärzteblatt hat bereits darüber berichtet. Demnach hat ein Zahnärzte-Wissenschaftler-Team an deutschen Universitäten im Laborversuch bestätigen können,dass drei der getesteten acht Mundspüllösungen die Infektkraft der Viren sogar ganz erheblich reduzieren konnten. Insgesamt hatten sich die Sars-CoV-2-Viren-Stämme als sehr empfindlich gegenüber den Mundspülungen gezeigt. Das ist insofern eine bemerkenswerte Erfahrung, als der Mund, hier vor allem die Speicheldrüsen und der Rachen, zu den ganz zentralen „Einfalltoren" des Virus in den Körper gehören. Nun geht es daran, diese Laborversuche auch „in vivo", also an Patienten, gegenzutesten. Wenn dies erfolgreich ausgeht, könnten Virusübertragungen sowohl bei Patienten als auch bei Mitarbeitern in der medizinischen Versorgung deutlich reduziert werden.

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Knirschen: Wann man etwas tun muss

Zunächst einmal ist Knirschen und Pressen eine der normalen Reaktionen des Körpers, um Anspannung abzubauen. Manchen Menschen schlägt der Stress auf den Magen, anderen auf den Rücken – und nicht wenigen auf die Kiefer. Leidtragende in solchen Fällen sind dann oft die Zähne, die bei angespanntem Kiefer aufeinander gepresst werden oder durch Knirschbewegungen ihre Substanz abreiben. Wenn sich solche Stress-Zustände häufen, ist allerdings Vorsicht angebracht, wie Prof. Dr. Ingrid Peroz von der Berliner Charité kürzlich in einem Fachbeitrag berichtete: Überbelastung durch Pressen oder Knirschen kann den Zahn so unter Druck setzen, dass er Absplitterungen erfährt. Zahnfleisch und Kieferknochen können so belastet sein, dass sie zurückweichen. Das Kiefergelenk kann so verspannt sein, dass es zu Kopfschmerzen und Mundöffnungsproblemen führt. Bei Implantaträgern können solche Fehlbelastungen noch folgenreicher sein: Während der natürliche Zahn über Rezeptoren die Überlastung ans Gehirn weitermeldet, ist diese „Meldekette" bei Trägern von implantatgestütztem Zahnersatz nicht mehr aktiv, man merkt die Gefahr meist gar nicht. Bei Dauerbelastung kann sich das Implantat lockern. Es sei daher wichtig, so früh wie möglich zur zahnärztlichen Untersuchung zu gehen, um Lösungsmöglichkeiten zu finden. Dabei kann, wie es in dem Beitrag heißt, auch Physiotherapie ergänzend sinnvoll sein.

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Tag der Zahngesundheit 2020: Ernährung

Jedes Jahr am 25. September findet der Tag der Zahngesundheit statt. In diesem Jahr hat er als Schwerpunkt den Aspekt „Ernährung", wie der entsprechende Aktionskreis mitteilt. Ein zahngesunder Speiseplan könne Zähne und Mund vor Erkrankungen schützen. Dazu gehöre, Zucker deutlich zu reduzieren. Aber auch Saures habe das Potential für Zahnschäden, es greife den Zahnschmelz an. Ein guter Durstlöscher sei Wasser. Wenn es denn mal zucker- oder säurehaltige Getränke sein sollen, solle man zu Light-Varianten greifen, auch wenn diese ebenfalls säurehaltig seien: Auch in diesem Fall sei es sinnvoll, den Mund danach mit einem Schluck Wasser auszuspülen. Wer Süßes mag, aber auf Zucker verzichten möchte, habe mittlerweile viel Auswahl unter zahnfreundlichen Produkten, die in der Regel an dem Siegel „Zahnmännchen" erkennbar seien. Wichtig seien Ernährungspausen, vor allem: Zuckerpausen. Sonst würden die Kariesbakterien quasi ständig „gefüttert". Worauf man achten muss: Auch Wurst, Ketchup und saure Gurken enthalten oft viel Zucker – und klebriges Gebäck haftet an Zähnen und in den Zahnzwischenräumen und bietet damit eine Dauernahrungsquelle für die Kariesbaktieren.

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Hygiene: Desinfektion über alles?

Der Volksmund hat ein schönes Bild für eine Situation, die nicht wenige Patienten auch von sich selbst kennen: Man solle das Kind nicht mit dem Bade ausschütten. Was so viel bedeutet wie: Man kann es auch übertreiben mit seiner Aktivität. Auf die Zahnmedizin angewandt, richtet sich der Blick hier auf die Hygiene und „Desinfektion" des Mundes. Aus Sorge vor einem Übermaß an krankheitsverursachenden Bakterien nutzen manche Patienten nicht nur einfache Mundwässer, sondern antiseptische Produkte mit dem Wirkstoff Chlorhexidin (CHX). Wie eine aktuelle Studie britischer Forscher zeigt, kann das zwar sinnvoll sein, wenn man eine diagnostizierte übermäßige Keimbelastung mit schädlichen Bakterien hat. Genau das Gegenteil erreicht man allerdings, wenn man vorbeugend solche Präparate nutzt: Der an sich auf große Vielfalt angelegte Biofilm, dessen „Bewohner" sich gegenseitig in Grenzen halten, reduziert sich durch die antibakterielle Wirkung dieser Produkte und gerät so leichter aus dem Gleichgewicht – mit dem Effekt, dass mögliche Schädigungen der Mundgesundheit durch ein Übergewicht an schädlichen Keimen nicht ausgeschlossen werden können.

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Handzahnbürste: kleiner oder großer Kopf?

Bei der schon fast unübersichtlichen Auswahl an Handzahnbürsten in den Regalen von Drogerie- und Supermärkten stellen sich viele Patienten die Frage, nach welchen Kriterien sie eigentlich die für sie richtige wählen sollen. Antworten hat der Mundgesundheits-Informationsdienst proDente eingeholt bei Prof. Dr. Stefan Zimmer von der Universität Witten/Herdecke und kürzlich veröffentlicht. Demnach putzen größere Zahnbürstenköpfe die gleiche Zahnregion zwar schneller als kleine Köpfe – diese erreichen aber jeden einzelnen Zahn besser und reinigen daher oft intensiver. Gut seien Zahnbürsten mit einem etwas höheren äußeren Borsten-Rand, da die Zähne selbst keine ebenen Flächen bieten und die verschiedenen Borstenhöhen hier mehr Zahnfläche erwischen als Bürsten mit ebenmäßigen Borsten. Der erhöhte Rand erreicht auch eher den Zahnsaum am Zahnfleisch und reicht zudem wenigstens ein bisschen in den Zahnzwischenraum hinein. Wer keine Probleme mit empfindlichem Zahnfleisch habe, könne zu harten Borsten greifen: Für die Schäden am Zahnschmelz seien in der Regel nicht die Zahnbürsten, sondern die Schmirgelstoffe aus der Zahnpasta verantwortlich. Weil weiche Borsten sich umbiegen und die Schmirgelstoffe mehr über die Zahnfläche verbreiten, arbeiteten die harten Borsten nur mit ihrer Spitze und seien daher auch bei freiliegenden Zahnhälsen die bessere Wahl – zusammen mit einer sanft reinigenden Zahnpasta. Wer sich unsicher sei, sei mit einer Zahnbürste mit Bostengrad „mittel" gut bedient: Hier werde ausreichend Putzleistung mit ausreichend Schonung verbunden.

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