Aktuelles aus der Praxis

Parodontitis: der Patient als Partner

Wenn sich das Zahnbett entzündet, eine Parodontitis entsteht, merkt man das als Patient oft sehr lange gar nicht – es kann einige Jahre dauern, bis man eines Tages feststellt: Da hat sich etwas entwickelt, was sofort gestoppt werden muss! Je früher man diesen Moment nutzt, um so sinnvoller, weil eine Parodontitis-Behandlung, zumal in fortgeschrittenem Stadium, ein recht aufwändiger und oft auch langwieriger Prozess ist. Und einer, den man auf jeden Fall angehen sollte, denn ohne medizinisches Eingreifen sind nicht nur erhebliche Schäden an Zähnen und Zahngewebe und Kieferknochen zu erwarten, sondern auch riskante Infektionen an verschiedenen Stellen im Körper: Die krankmachenden Bakterien aus dem Mund finden sich beispielsweise in Herz, Lunge und Gefäßen. Was die Behandlung so anspruchsvoll macht, ist, dass sie nicht mit einem Praxisbesuch erledigt ist und der Patient ein größeres Aufgabenbuch hat, was er alles selbst umstellen und in seinem Alltag optimieren muss. Für jeden Patienten muss ein eigenes, die jeweiligen Risikoumstände einbeziehendes Behandlungsprogramm entwickelt werden, auch für den Patienten selbst und seine häusliche Prophylaxe. Seine Mitarbeit hat einen entscheidenden Anteil daran, ob und wie schnell die Behandlung weitgehend abgeschlossen werden kann. Auch danach ist seine Motivation ein Kernfaktor: Eine lebenslange Kontrolle der Mundgesundheit und intensive Mundhygiene sind ebenso unumgänglich wie überaus lohnenswert.

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Zahnfarbe: Kann man was tun?

Für manche Menschen ist Schönheit verbunden mit fast schon leuchtend weißen Zähnen – ein Farbton, der in der Natur überhaupt nicht vorkommt. Normal sind, das betonte kürzlich ein entsprechender Fachbeitrag in einer größeren Zeitschrift, eher gelbliche oder ins Graue gehende Grundfarben. So wie die Hautfarbe „weiß" je nach genetischem Hintergrund unterschiedlich aussieht, sind auch „weiße Zähne" nicht alle gleichermaßen weiß. Hinzu kommen Faktoren, die die Zahnfarbe verändern oder abdunkeln: Wird mit zunehmendem Alter der Zahnschmelz etwas dünner, schimmert mehr gelbliches Zahnbein hindurch. Trinkt man oft pigmentreiche Getränke, lagern sich Farbstoffe als Schicht auf dem Zahn ab und verdunkeln ihn. Auch manche Medikamente und auch antibakterielle Spüllösungen können zu Ablagerungen führen. Der erste Schritt zu helleren Zähnen ergibt sich dabei fast von selbst: In der Zahnarztpraxis werden neben der gesundheitlich betonten Entfernung von Zahnbelägen und möglicherweise Zahnstein die aufgelagerten Pigmente zahnschmelzschonend wegpoliert: Professionelle Zahnreinigung (PZR) heißt das Angebot. Zudem gibt es eine Vielzahl an Aufhellungsmöglichkeiten, die man aber nicht selbst ausprobieren sollte, weil manche auch die Zähne schädigen oder das Zahnfleisch angreifen. Was im eigenen Fall Sinn macht oder auch nicht, und ob der gewünschte Zahnfarbton erreichbar ist und wenn ja, wie oder wie nicht: Auch das erfährt man in seiner Zahnarztpraxis.

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Zahnschmerzen: zum Zahnarzt – oder?

Erstaunlicherweise gehen nur zwei von drei Menschen, die Zahnschmerzen haben, zum zuständigen „Facharzt", ihrem Zahnarzt – das zeigt eine repräsentative Umfrage eines deutschen Meinungsforschungsinstitutes, über das eine renommiere deutsche Zahnärzte-Zeitschrift berichtete. Demnach geht zudem jeder dritte Bundesbürger davon aus, dass er keine Probleme mit Zähnen und Zahnfleisch hat oder bekommen könnte. Vier von zehn Menschen schließen für sich aus, dass jemals eine Wurzelbehandlung notwendig werden könnte. Rund jeder Zweite meint, Zahnverlust oder eine Zahnreparatur aufgrund eines Unfalls sei für die eigene Person nicht zu erwarten. Kosmetische Korrekturen halten 85 Prozent der Befragten für überflüssig. Und was machen die Menschen, die bei Zahnschmerzen nicht an Zahnarztbesuch denken? Neun Prozent warten einfach ab, was erfahrungsgemäß in den seltensten Fällen gut geht. 13 Prozent helfen sich zumindest erst einmal mit Schmerzmitteln. Manche andere spülen beispielsweise mit Kamillentee. Eher an die Zahnarztpraxis denken vor allem ältere über 55 Jahre: Von ihnen meldet sich jeder Dritte bei Zahnschmerzen bei der Zahnärztin oder dem Zahnarzt.

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Wechseljahre: auch Mundschleimhaut-Folgen

Ebenso wie sich die Schwangerschaft aufgrund hormoneller Veränderungen auf die Mundgesundheit auswirkt, ist dies auch bei den Wechseljahren der Fall: Während in der Schwangerschaft die Östrogen-Produktion zunimmt, fällt sie in der Zeit des Klimakteriums ab. Hormonveränderungen führen im Körper zu vielfältigen Auswirkungen, weil sie ein starkes Steuerungs-Instrument sind vom Herz-Kreislauf-System bis hin zur Gewichtsentwicklung und nicht nur in Bereichen, die die Frauen selber spüren wie Veränderungen im Bereich der Schleimhäute. Eine sinkende Hormonproduktion hat insofern auch Folgen für eine Veränderung der Mundschleimhaut: Sie kann austrocknen und schmerzempfindlich werden. Hinzu kommt, dass eine verminderte Durchfeuchtung und ein Rückgang der Speichelproduktion auch die natürliche Zahnreinigung reduziert und sich leichter Zahnbeläge festsetzen. Auch sind mit fortschreitendem Alter manchmal Dauer-Medikationen notwendig: Unter den Arzneimitteln gibt es viele, die ihrerseits zu Mundaustrocknung führen können. Solche und weitere Entwicklungen, so eine Zahnärzte-Zeitschrift, sollten nicht klaglos hingenommen werden, sondern zu einem Zahnarztbesuch führen, um einerseits die Symptome zu lindern und andererseits sich entwickelnde Krankheiten und Abbauprozesse zu behandeln.

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Milchzahnkaries: Prophylaxe statt Narkose

Während die Zahngesundheit bei Kindern im Wechselgebissalter und mit bereits ersten bleibenden Zähnen in den letzten Jahrzehnten ganz erheblich gestiegen ist und ein Kariesrückgang von rund 80 Prozent erreicht werden konnte, bleiben die Milchzähne die „Sorgenkinder" der Zahnmedizin. Aufgrund der erschwerten Kooperationsmöglichkeit und nach wie vor oft ungesunden Ernährung der Kleinkinder standen in vielen Fällen fast komplett zerstörter Milchzahnsubstanz nur Behandlungen unter Vollnarkose zur Verfügung: Einerseits war nur so die Möglichkeit gegeben, die umfangreiche Zahn-Behandlung durchzuführen, andererseits – und hier setzten kürzlich Wissenschaftler der Universität Greifswald an – bietet der Leistungskatalog der Gesetzlichen Krankenkassen/GKV auch nur diesen Weg als den üblichen an. Was bedeutet: Vorbeugende Maßnahmen werden mit Kostenübernahmen seitens der GKV nicht unterstützt. Zusammen mit einigen Kassenzahnärztlichen Vereinigungen entwickelten die Wissenschaftler daher ein Programm, vor und nach der Behandlung unter Narkose Intensiv-Prophylaxe-Sitzungen anzubieten und letztlich die Kinder in Regel-Präventions-Programme einzugliedern. Es zeigte sich, dass die Mundgesundheit der betroffenen Kinder im Test-Zeitraum deutlich zugenommen hatte, die Kariesentwicklung eindrucksvoll zurückging und das Angebot auf gute Akzeptanz stieß. Zudem lagen die Zusatzkosten für diese Intensiv-Prophylaxe-Maßnahme im Rahmen der Kosten für eine einzelne Füllung unter Narkose. Ob die Kassen das Angebot übernehmen, ist noch nicht bekannt.

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Fluoride oder nicht: Studie zu Wurzeldentin-Karies

Mit dem Angebot fluoridfreier Mundhygiene-Produkte antwortet die Industrie auf Bedarfe mancher Menschen, die zusatzfreie Produkte bevorzugen. Ob diese Produkte ebenfalls, wie die fluoridhaltigen Alternativen, eine karieshemmende Wirkung haben, hat jetzt eine deutsche Wissenschaftlergruppe mit Blick auf die Folgen für das Wurzel-Dentin erkundet. Bisher war bekannt, dass hoch-fluoridhaltige Zahnpasten im Vergleich zu Zahnpasten mit normal hohem Fluoridanteil das Wurzelkariesrisiko bzw. entsprechenden Behandlungsbedarf um 50 % senken konnten. Im Zuge der Prüfung des Dosis-Wirkungs-Effektes wurden verschiedene Fluorid-haltige Zahnpasten mit unterschiedlichem Wirkungsweg verglichen mit Produkten, die dezidiert als fluoridfrei ausgewiesen waren und deren Wirkweise auf Nanohydroxylapatit beziehungsweise mikrokristallinem Hydroxylapatit setzt, ein Konzept, das ebenfalls eine strukturstärkende Wirkung auf die Zahnsubstanz zum Ziel hat. Im Ergebnis zeigten die fluoridhaltigen Zahnpasten eine klare Dosis-bezogene Wirkung, insbesondere im tieferen Dentin-Bereich der Zahnwurzel, aber auch im flacheren Dentin- und Zahnschmelzbereich. Eine vergleichsweise deutlich schlechtere Hemmung der Schädigung der Dentin- und Zahnschmelz-Strukturen zeigte sich dagegen bei den fluoridfreien Produkten. Das Fluorid ging insofern als „Sieger" aus dem Test-Vergleich.

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Parodontitis: Folgen in den Arterien

Zu den vielen Bereichen im Körper, in denen Bakterien aus dem Zahnbelag (Plaque) und aus den entzündeten Zahntaschen (Parodontitis) nachweisbar sind und für die sie Risiken mit sich bringen, gehören offenbar auch die Arterien: Das jedenfalls legt eine Analyse französischer Wissenschaftler durch Vergleich verschiedener Studien zu Zusammenhängen der Elastizität der Arterien und drohenden Herz-Kreislauf-Erkrankungen nahe. Wie sich zeigte, lähmt eine erhöhte Immun-Reaktion als Folge-Effekt der Parodontitis-Belastung die Beweglichkeit der Arterien und lässt sie insofern frühzeitig „altern". Versteifte Arterien gehen einher mit einem erhöhten Risiko für gefäß-bedingte Erkrankungen des Herzens. Auch wenn aufgrund unterschiedlichen Studien-Designs nicht alle Forschungsarbeiten eindeutig relevante Zusammenhänge aufgezeigt hatten, überwiegen, so die französischen Wissenschaftler, die Arbeiten, die einen nachvollziehbaren Effekt parodontaler Bakterien auf die Elastizität der Arterien aufzeigten. Insofern sei es auch aus dieser Erkenntnis heraus ein wichtiger Schritt zur Vermeidung schwerer Erkrankungen und gesundheitlicher Funktionsstörungen, bakterielle Beläge und damit einhergehende Entzündung im Mund zu verhindern beziehungsweise zwecks Beseitigung zu behandeln.

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Implantate: Assistenten der Zahnkrone

Wenn über den Behandlungserfolg mit Implantaten gesprochen wird, hört sich das oft so an, als hinge alles vom Implantat, dem „Zahnwurzel-Ersatz" ab. Dabei wird oft vergessen, dass das Implantat letztlich nur der Assistent des Zahnersatzes, der Zahnkrone bzw. der Zahnersatz-Konstruktion ist. Scheitert eine Straßenbrücke, kann das sowohl an den Brückenpfeilern als auch an der Brückenkonstruktion selbst liegen. So ist das auch im Mund. Bei einer Fortbildungsveranstaltung wies daher der Vizepräsident der wissenschaftlichen Deutschen Gesellschaf für Implantologie/DGI, Prof. Dr. Florian Beuer/Berlin, darauf hin, dass ungünstig geplanter Zahnersatz auch bei einem perfekt sitzenden und eingeheilten Implantat zu Komplikationen führen kann. Ein verbreitetes Problem: Beißt der Patient seine Zähne zusammen, um zu erkunden, ob die gegenüberliegenden Zähne dabei störungsfrei zusammenpassen, signalisieren natürliche Zähne aufgrund der vielen Sensoren, mit denen sie mit dem Körper verbunden sind, schon mikrofeinste Missempfindungen. Solche Belastungstests sind mit einem implantat-getragenen Zahnersatz schwieriger: In diesem Fall fehlen die wichtigen Sensoren als Marker. So kann es vorkommen, dass ein Zahnersatz, den der Patient als perfekt passend empfindet, im minimalen Bereich dennoch zu einer Fehlbelastung des Gewebes um das Implantat führt. Um das zu verhindern, müssen Implantat-Patienten beim „Pass-Test" daher oft erheblich stärker zubeißen als sie es vom Normalalltag gewöhnt sind.

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