Aktuelles aus der Praxis

Mode oder Nützlich? Trocken-Zähneputzen

Die sozialen Medien bringen immer mal wieder Entwicklungen ans Licht, die ihre Fans finden – oder auch nicht. Ein solches Thema, das gerade in einigen digitalen Foren diskutiert wird, ist das Zähneputzen ohne Wasser, sogenanntes Dry Brushing. Wie eine Zahnärzte-Zeitschrift jetzt berichtete, stehen dahinter bekannte Überlegungen: So regt eine Trockenbürsten-Massage der Haut beispielsweise die bessere Durchblutung an. Die Verfechter des Dry Brushing sagen, dass das Reinigungserlebnis besser sei, zudem könne man häufiger tagsüber und einfacher zwischendurch die Zähne putzen, da man weder Wasser noch Zahnpasta benötige. Aus zahnmedizinischer Sicht spricht nichts gegen das vorsichtige Trockenputzen (kräftiges Schrubben muss aber vermieden werden) – aber nur als ergänzende Maßnahme zur klassischen „feuchten" Reinigung von Zähnen und Zahnzwischenräumen: Wird feucht gewischt, ist der Abrieb an der Zahnoberfläche geringer, Zahnpasta sorgt mit den unterschiedlichen Bestandteilen auch für eine schonende Entfernung von aufgelagerten Pigmenten. Bei Dry Brushing kommt zudem die wichtige Zahnzwischenraumpflege zu kurz, und nicht zuletzt fehlt den Zähnen der zusätzliche Schutzfaktor von Fluoriden, die ihre Stabilität gegenüber Säureangriffen unterstützen. Bilanz der zahnmedizinischen Beurteilung: Zwischendurch sanft trockengeputzt oder als Vorreinigung okay – aber als Ersatz der bekannten Mundhygienemaßnahmen untauglich.

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Vitamin C: Zusammenhang mit Zahnfleischbluten

Der Zusammenhang von Vitaminen, hier insbesondere Vitamin C, und Immunsystem/ Abwehrkräfte ist bei vielen Aspekten rund um die Gesundheit ein häufiges Thema – insofern ist nicht weiter verwunderlich, dass auch ein Mundgesundheitswissenschaftler (Universität Washington) diesen Aspekt nun etwas genauer angesehen hat. Ausgelöst hatte die Studie mit fast 10.000 Teilnehmern die Beobachtung, dass Menschen mit häufigerem Zahnfleischbluten auch oft einen eher niedrigen Vitamin-C-Wert aufwiesen. Zwar ist dieser Zusammenhang nicht unbekannt, dennoch störte den Wissenschaftler, dass in den Zahnarztpraxen bei der Behandlung von Zahnfleischbluten eher auf Maßnahmen intensivierter Mundhygiene gesetzt werde als auf die Erforschung von Ursachen und eine darauf aufbauende Therapie. Hier regt seine Studie zum Umdenken an, denn seine Ergebnisse bestätigen deutlich bisherige Erkenntnisse: Zahnfleischblutungen (und Blutungen im Auge) gingen fast immer mit einem erniedrigten Vitamin-C-Spiegel einher. Durch vermehrte Aufnahme von Vitamin C konnte die Blutungsneigung spürbar gesenkt werden. Menschen mit häufigem Zahnfleischbluten empfiehlt er daher, auch den Aspekt „Vitamin-C-Unterversorgung" überprüfen zu lassen und zudem den Anteil von Vitamin C an der eigenen Ernährung im Blick zu behalten.

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Implantate: Wie steht es um das Material Keramik?

Für viele Menschen fühlt es sich besser an, wenn sie ein Implantat, einen Zahnwurzel-Ersatz, aus Keramik erhalten anstelle eines Implantates aus Titan, dem langjährig etablierten Material. Auch ästhetische Aspekte können eine Rolle bei der Entscheidung für Keramik spielen: Insbesondere in Bereichen, wo das darüberliegende Zahnfleisch eher dünner und durchscheinend ist, könnte ein helles Implantat attraktiver sein. Da kommt es gut, dass sich auch Keramik mittlerweile als guter Werkstoff etabliert. Wie ein zahnärztliches Fachjournal kürzlich darstellte, ist hierbei allerdings zu beachten, dass Keramik nicht gleich Keramik ist, sondern verschiedene Materialzusammensetzungen auf den Markt sind mit unterschiedlichen Vorteilen für den jeweiligen Einsatz. Derzeit sieht die Wissenschaft Keramikimplantate als biokompatibel an, bestätigt werden das gute Einwachsen und auch die durch Weiterentwicklung mittlerweile gute mechanische Belastbarkeit. Derzeit sind weitere Langzeitstudien an den Universitäten angelegt, die verschiedene vertiefende Antworten rund um den Langzeiterfolgt ermöglichen werden.

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Schlafmedizin: auch ein Thema für die Zähne

Wie Prof. Dr. Bert Baumann (Universität Köln) aktuell in einer zahnärztlichen Fachzeitschrift berichtete, spielt der Bereich Mund im Gesamtthema Schlafmedizin eine große Rolle: Hier findet der Austausch der Atemluft statt, die den Körper am Leben erhält. Ist die Atmung – aus welchen Gründen auch immer – nur eingeschränkt möglich, hat das vielfältige Konsequenzen auf die Gesundheit des Menschen. Mancher Zusammenhang ist vielen Menschen gar nicht bekannt oder bewusst: So kann Tagesmüdigkeit, die manchmal bis hin zur Berufsunfähigkeit führt, ihre Ursache in nächtlicher gestörter Atmung haben und in entsprechend nicht erholsamem Schlaf. Zahnärzte, Mund-Kiefer-Gesichts-Chirurgen und Kieferorthopäden tauschen sich daher schon seit einigen Jahren, je nach Fall auch unterstützt durch Ärzte unterschiedlicher Disziplin, darüber aus, wie man Schlafgesundheits-Störungen mit Auswirkung auf die Allgemeingesundheit noch besser erkennt und auch behandelt. In dem eingangs genannten Zeitschriftenbeitrag weist Professor Baumann beispielsweise darauf hin, dass die Menge an eingeatmeter Luft durch verschiedene Mund-Kiefer-Hals-Faktoren eingeschränkt sein kann und damit auch die „Frischluftzufuhr" für die Organe. Durch im Schlaf stattfindendes Knirschen oder Zähnepressen können sowohl die Zähne als auch das Zahnbett in ihrer Funktionsfähigkeit leiden, um zwei Beispiele zu nennen. Je nach Ursache und Intensität der erkannten Funktionsstörung gibt es verschiedene Therapie-Maßnahmen, von einfachen Schienen bis hin zu größeren Operationen. Luftstörungen sollten nicht hingenommen, sondern behandelt werden – ein Thema, das die Patienten zum eigenen Wohl mehr beachten sollten.

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Deutsche Mundgesundheitsstudie: jetzt auch mit Kieferorthopädie

Wie eine kieferorthopädische Fachzeitschrift kürzlich berichtete, sind für die Erhebungen zur 6. Deutschen Mundgesundheitsstudie (DMS) erstmals auch Befunde mit Blick auf Zahnstellung und Kieferposition bei Kindern vorgesehen. Die DMS ist die einzige bundesweit repräsentative Studie zur Mundgesundheit. Sie wird seit 1989 durchgeführt vom wissenschaftlichen Institut der Deutschen Zahnärzte (IDZ) und ermöglicht aufgrund der weitgehenden Vergleichbarkeit der Erhebungen und involvierten Patientengruppen einen guten Blick auf die Entwicklung der Mundgesundheit bei der deutschen Bevölkerung. Während der Schwerpunkt bisher vor allem auf den Aspekten Karies, Anzahl eigener Zähne, Art und Umfang von Zahnersatz und Zahnbetterkrankungen lag, kommen nunmehr auch kieferorthopädische Beobachtungen dazu: Das macht insofern Sinn, als einerseits ein Mund nicht als gesund betrachtet werden kann, wenn seine Funktion durch fehlstehende Zähne oder Kiefer gestört ist, zum anderen tragen solche Fehlstellungen auch mit dazu bei, dass Folgebelastungen auf die Zähne und/oder die Kiefer zu vielfältigen Schäden und auch Schmerzen führen. Pandemie-bedingt verzögert sich die Erhebung in Fortgang, Auswertung und Veröffentlichung: Mit den Ergebnissen wird im Verlauf des Jahres 2023 gerechnet.

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Corona: Prophylaxetermine weniger gebucht

Für viele Menschen gehören die regelmäßigen Kontrolluntersuchungen beim Zahnarzt und auch die professionelle Zahnreinigung (PZR) zu den selbstverständlichen Bausteinen für eine langanhaltende Mundgesundheit. Bisher verbuchten diese Angebote der Zahnarztpraxis eine stetig steigende Nachfrage – das hat sich seit der Corona-Pandemie allerdings deutlich geändert, wie Daten der Kaufmännischen Krankenkasse ergaben. Wie eine zahnärztliche Zeitung kürzlich berichtete, sind in allen Bundesländern die entsprechenden Prophylaxe-Termine im ersten Halbjahr 2020 weniger gebucht worden als im Vergleichszeitraum des Jahres 2019. Fast jeder zweite Patient, der sonst einen Termin für Kontrolle oder PZR vereinbart hatte, hat diese Vorsorge-Angebote in der Pandemie-Zeit aufgeschoben. Dies sei aufgrund der hohen Infektionsschutzmaßnahmen in den Zahnarztpraxen allerdings nicht sinnvoll, zumal mit Blick auf die eigene Zahngesundheit: Früh entdeckte unerwünschte Entwicklungen an Zähnen, Zahnfleisch oder Zahnbett ließen sich oft schnell beheben und damit abbremsen oder ganz beseitigen. Warte man zu lange, seien oft deutlich invasivere Vorgehen notwendig. Man solle daher das Angebot regelmäßiger Zahnkontrolle auch in der Pandemiephase wahrnehmen.

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Kinderzahncremes: Was man beachten sollte

Immer mal wieder untersucht die Zeitschrift Ökotest Kinderzahnpasten. Im März dieses Jahres wurden aktuell 35 Produkte geprüft, die für Babys und Kleinkinder gedacht sind, einige ohne, die Mehrheit der Produkte dagegen mit Fluorid-Anteilen. Insbesondere bei dieser zweiten Gruppe sei zu beachten, so die Redaktion, dass die Anwendungsempfehlung oft überholt ist: Anstelle der empfohlenen Menge in Reiskorngröße sei heute eher ein Klecks Zahnpasta sinnvoll, der einer Erbse entspricht. Kritisiert hat die Zeitschrift zudem, dass bei mehr als jeder zweiten Kinderzahnpasta ohne Fluorid der Hinweis auf diesen Mangel fehlte. Das sei aber für die Mundgesundheitsbetreuung für die Eltern relevant, da sie die Fluoridaufnahme des Kinder/der Kinderzähne dann entsprechend anderweitig kompensieren müssten. Zudem enthielten manche der getesteten 35 Produkte problematische Inhaltsstoffe: Drei Produkte bekamen insofern einen kritischen Vermerk. Diese enthaltenen Stoffe könnten oft durch mildere Alternativen ersetzt werden. Immerhin 15 von den 35 Kinderzahnpflegeprodukten erhielten einen Empfehlungsvermerk. Wie immer bei Informationen rund um den Fluoridgehalt von Zahnpasten oder auch speziellen Tabletten ergeht der Rat an die Eltern, sich mit dem Kinderzahnarzt über Art und Umfang der Fluorid-Maßnahmen abzusprechen – beispielsweise auch, ob fluoridiertes Wasser zum Familienalltag gehört. Sowohl eine Überdosierung als auch eine Unterversorgung sollte zum Schutz der Zähne vermieden werden.

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Zusammenhang beachten: Seele und Zähne

Nur auf den ersten Blick irritiert, wenn die Mundgesundheit in Zusammenhang gebracht wird mit der seelischen Situation des Menschen. Dabei sind manche Redewendungen geradezu Volkswissen: „auf einem Problem herumkauen" oder auch „die Zähne zusammenbeißen" beispielsweise. Nun hat die Bundeszahnärztekammer kürzlich noch einmal erinnert an die Bedeutung der Psychosomatik, also an den Zusammenhang von Körper und Seele. Für das Beleuchten dieses Zusammenhanges gibt es viele Gründe, denn wenn die Seele mauert, können zahnärztliche Behandlungen scheitern. Belastungen wie Stress in Beruf und Familie, Depressionen oder auch starke Sorgen vor der Zukunft führen manchmal zu unterschiedlichen körperlichen Reaktionen, insbesondere auf der Ebene intensiver Muskelverspannungen und Verkrampfungen. Kummer beispielsweise kann sich seinen Weg aus der Seele über gefühlte Prothesenunverträglichkeit bahnen. Die Bundeszahnärztekammer schätzt, dass bei rund 20 Prozent aller erfolgsgestörten zahnärztlichen Behandlungen die Ursache in seelischen Belastungen liegt. Patienten sollten daher die Empfehlung, die Situation auch einmal aus der psychotherapeutischen Ebene betrachten zu lassen, als hilfreiche Empfehlung zur Verbesserung der zahngesundheitlichen Lage verstehen.

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