Mumienforschung: Nachrichten über Zahnstein

Vielleicht dienen die gewonnen Erkenntnisse der Mumienforscher an der Universität von Trient in Italien nicht sofort der weiteren Optimierung der Zahn- und Mundgesundheit oder ihrer Pflege – auf jeden Fall vertiefen die Studien zum rund 8.500 bis 3000 Jahre alten Zahnstein der Mumien aus italienischen Gräberfeldern aber den Erkenntnisgewinn. Ein Blickpunkt aktuellen Studie galt dabei der Zusammensetzung des Zahnbelages und der Frage, ob sich hier im Vergleich zu heute erheblich etwas verändert hat – und falls ja, was das bedeutet. Zunächst jedoch stellte man fest, dass der damals vertretene Hauptkeim in der Plaque („Methanobrevibacter") auch heute noch, wenn auch nicht in ebenso überragender Anzahl, im Zahnbelag vorhanden ist. Verglichen wurden die eigenen Erkenntnisse zudem mit Forschungsergebnissen zu Zahnbelag bei Neandertalern. Letztlich wurden, wie eine zahnärztliche Zeitung berichtete, über 100 Zahnsteinproben aus rund 50.000 Jahren, acht Ländern und drei Kontinenten untersucht. Ein spannendes Ergebnis: Während Methanobrevibacter-Keime, die in größerer Artenvielfalt vorkamen, in den ältesten Plaque-Proben bis ins Spätmittelalter kaum verändert existierten, gibt es dann einen Bruch: Es entstand eine neue Keim-Variante ganz ohne weitere Untergruppen, die älteren Varianten waren nun nicht mehr existent. Auch im Verdauungstrakt war das bei anderen Studien schon aufgefallen: Vor rund 5000 Jahren kam es offenbar zu einem großen Artensterben im Bereich der im Körper vorhandenen Bakterien. Die Forscher gehen davon aus, dass die Entwicklung und Weiterentwicklung von Technik, Industrialisierung und medizinischen Verfahren starken Einfluss auf das Mikrobiom, die Gemeinschaft der Keime im Körper, hatte – und hat.

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