Zungenbändchen: Muss es weg?

Obwohl bereits im Säuglingsalter das Zungenbändchen Probleme verursachen kann, beispielsweise eine Störung der Aufnahme von Muttermilch, kommen manche Kinder erst sehr spät mit diesem Befund in die Kinderarztpraxis: rund um den Start der Grundschule. Die Eltern finden oder wurden entsprechend darauf hingewiesen, ihr Kind spreche merkwürdig und/oder könne den Mund irgendwie nicht richtig schließen. Hintergrund ist, dass ein zu kurzes Zungenband, das die Unterseite der Zunge mit dem Mundboden verbindet, die Beweglichkeit der Zunge beeinträchtigt. Eine solche Situation kann sich auch störend auf das gesunde Kieferwachstum auswirken, wie der Beitrag in einer zahnmedizinischen Zeitschrift kürzlich verdeutlichte. Ohne dass sich dies derzeit erklärt, sind offenbar Jungen rund zweimal so oft betroffen wie Mädchen. Um eine gesunde Mundentwicklung zu erreichen, wird, wenn nötig, das Zungenband operativ entfernt, dies geschieht in der Regel unter örtlicher Betäubung. Wie bei anderen muskulären Störungen auch ist in der Folge des Eingriffs meist „Muskeltraining" notwendig, um die natürliche Funktion des Mundgewebes wiederzuerlangen. Schöner oft beobachteter Nebeneffekt: Die behandelten Kinder schlafen meist besser und erholsamer und sind tagsüber entspannter – und sie können schon bald wieder deutlicher sprechen.

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Aktuelles aus der Praxis

Corona: Prophylaxetermine weniger gebucht

Für viele Menschen gehören die regelmäßigen Kontrolluntersuchungen beim Zahnarzt und auch die professionelle Zahnreinigung (PZR) zu den selbstverständlichen Bausteinen für eine langanhaltende Mundgesundheit. Bisher verbuchten diese Angebote der Zahnarztpraxis eine stetig steigende Nachfrage – das hat sich seit der Corona-Pandemie allerdings deutlich geändert, wie Daten der Kaufmännischen Krankenkasse ergaben. Wie eine zahnärztliche Zeitung kürzlich berichtete, sind in allen Bundesländern die entsprechenden Prophylaxe-Termine im ersten Halbjahr 2020 weniger gebucht worden als im Vergleichszeitraum des Jahres 2019. Fast jeder zweite Patient, der sonst einen Termin für Kontrolle oder PZR vereinbart hatte, hat diese Vorsorge-Angebote in der Pandemie-Zeit aufgeschoben. Dies sei aufgrund der hohen Infektionsschutzmaßnahmen in den Zahnarztpraxen allerdings nicht sinnvoll, zumal mit Blick auf die eigene Zahngesundheit: Früh entdeckte unerwünschte Entwicklungen an Zähnen, Zahnfleisch oder Zahnbett ließen sich oft schnell beheben und damit abbremsen oder ganz beseitigen. Warte man zu lange, seien oft deutlich invasivere Vorgehen notwendig. Man solle daher das Angebot regelmäßiger Zahnkontrolle auch in der Pandemiephase wahrnehmen.

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Kinderzahncremes: Was man beachten sollte

Immer mal wieder untersucht die Zeitschrift Ökotest Kinderzahnpasten. Im März dieses Jahres wurden aktuell 35 Produkte geprüft, die für Babys und Kleinkinder gedacht sind, einige ohne, die Mehrheit der Produkte dagegen mit Fluorid-Anteilen. Insbesondere bei dieser zweiten Gruppe sei zu beachten, so die Redaktion, dass die Anwendungsempfehlung oft überholt ist: Anstelle der empfohlenen Menge in Reiskorngröße sei heute eher ein Klecks Zahnpasta sinnvoll, der einer Erbse entspricht. Kritisiert hat die Zeitschrift zudem, dass bei mehr als jeder zweiten Kinderzahnpasta ohne Fluorid der Hinweis auf diesen Mangel fehlte. Das sei aber für die Mundgesundheitsbetreuung für die Eltern relevant, da sie die Fluoridaufnahme des Kinder/der Kinderzähne dann entsprechend anderweitig kompensieren müssten. Zudem enthielten manche der getesteten 35 Produkte problematische Inhaltsstoffe: Drei Produkte bekamen insofern einen kritischen Vermerk. Diese enthaltenen Stoffe könnten oft durch mildere Alternativen ersetzt werden. Immerhin 15 von den 35 Kinderzahnpflegeprodukten erhielten einen Empfehlungsvermerk. Wie immer bei Informationen rund um den Fluoridgehalt von Zahnpasten oder auch speziellen Tabletten ergeht der Rat an die Eltern, sich mit dem Kinderzahnarzt über Art und Umfang der Fluorid-Maßnahmen abzusprechen – beispielsweise auch, ob fluoridiertes Wasser zum Familienalltag gehört. Sowohl eine Überdosierung als auch eine Unterversorgung sollte zum Schutz der Zähne vermieden werden.

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Zusammenhang beachten: Seele und Zähne

Nur auf den ersten Blick irritiert, wenn die Mundgesundheit in Zusammenhang gebracht wird mit der seelischen Situation des Menschen. Dabei sind manche Redewendungen geradezu Volkswissen: „auf einem Problem herumkauen" oder auch „die Zähne zusammenbeißen" beispielsweise. Nun hat die Bundeszahnärztekammer kürzlich noch einmal erinnert an die Bedeutung der Psychosomatik, also an den Zusammenhang von Körper und Seele. Für das Beleuchten dieses Zusammenhanges gibt es viele Gründe, denn wenn die Seele mauert, können zahnärztliche Behandlungen scheitern. Belastungen wie Stress in Beruf und Familie, Depressionen oder auch starke Sorgen vor der Zukunft führen manchmal zu unterschiedlichen körperlichen Reaktionen, insbesondere auf der Ebene intensiver Muskelverspannungen und Verkrampfungen. Kummer beispielsweise kann sich seinen Weg aus der Seele über gefühlte Prothesenunverträglichkeit bahnen. Die Bundeszahnärztekammer schätzt, dass bei rund 20 Prozent aller erfolgsgestörten zahnärztlichen Behandlungen die Ursache in seelischen Belastungen liegt. Patienten sollten daher die Empfehlung, die Situation auch einmal aus der psychotherapeutischen Ebene betrachten zu lassen, als hilfreiche Empfehlung zur Verbesserung der zahngesundheitlichen Lage verstehen.

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Mundspülen: Produkte im Test

Mundspülungen und Mundwässer gehören zu den beliebten Ergänzungs-Anwendungen neben dem regelmäßigen sorgfältigen Zähneputzen. Nachvollziehbar also, dass die Stiftung Warentest diese Produktgruppe, die unterschiedliche Angebote bereithält, in unregelmäßigen Abständen unter die Lupe nimmt. Aktuell war dies mal wieder der Fall, mit dem Ergebnis, dass sieben der dreizehn geprüften Fertig-Mundspüllösungen als sinnvoll erachtet wurden. Es gab einen gewissen Effekt bei der Vorbeugung von Zahnfleischentzündungen, Zahnbelag und Mundgeruch. Es wurde aber auch ein wichtiger Unterschied deutlich, der die Sinnhaftigkeit der Anwendung beleuchtet: Mundspüllösungen und Mundwässer sind nicht dasselbe. Mundwässer dienen eher dem guten Gefühl, während Mundspüllösungen oft auch einen präventiven, also einer Erkrankungen vorbeugenden Effekt haben können. Es bleibt aber dabei: Zahnbürste, Zahnpasta und Zahnseide oder Zahnzwischenraumbürstchen seien, so Stiftung Warentest, die wichtigsten „Instrumente" zur Gesunderhaltung von Zähnen und Mund.

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Zahnarztpraxen im Pandemie-Check: hohes Vertrauen der Bevölkerung

Wie eine aktuelle forsa-Umfrage im Auftrag der Bundeszahnärztekammer (BZÄK) ergabt, genießen die niedergelassen Zahnärztinnen und Zahnärzte bei Hygienemaßnahmen das höchste Vertrauen der Bevölkerung – mit 88 % Zustimmung noch vor den Hausärzten (84 %). Bei Krankenhäusern glauben nur 65 % der Befragten, dass die notwenigen Hygienemaßnahmen auch sorgfältig umgesetzt werden. Das Ergebnis verwunderte die BZÄK nicht, die darauf verwies, dass bereits vor Ausbruch der Pandemie in den Zahnarztpraxen sehr hohe Hygiene-Standards herrschten, die dann zudem noch weiter verschärft wurden. Es sei erfreulich, dass dieser enorme Aufwand von den Patientinnen und Patienten gesehen und auch anerkannt werde. Dennoch erlebe man derzeit eine Zurückhaltung vor nicht als ganz so dringlich empfundenen Terminen, die vermutlich auf eine generelle Verunsicherung hinsichtlich von Kontakten zurückzuführen sei. Das sollte allerdings vom Besuch der Zahnarztpraxis, sofern symptomfrei, nicht abhalten, die Praxen seien auf die aktuelle Situation bestens vorbereitet. Manche Behandlung könne auch nicht warten, damit sich der Zustand nicht verschlechtere und der Behandlungsaufwand später im Vergleich zu einer zeitnahen Lösung des Problems aufwändiger und möglicherweise invasiver werde.

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Zahnfleisch als Infektionsmarker: Sensoren machen Diagnostik

Spannendes Ergebnis einer Forschungsarbeit einer internationalen Wissenschaftlergruppe: Sensoren in der Mundschleimhaut erkennen, wenn sie mit krankheitserregenden Bakterien in Berührung kommen. Damit leistet die Mundschleimhaut einen ähnlichen Dienst wie andere Schleimhäute im Körper auch – nur dass sie quasi am Eingangsportal der pathogenen Keime sitzt. In diesen Schleimhäuten und damit auch in der Mundschleimhaut befinden sich Zellen, die beispielsweise Bitterstoffe erkennen können, aber eben auch spezielle Bestandteile von Krankheitserregern. Spüren sie solche, geben sie sozusagen einen Auftrag an das Immunsystem, sich mit diesen unerwünschten Eindringlingen zu befassen und sie abzuwehren. Wie die Studie gezeigt hat, ist ein spezielles Protein für diese Signal-Wirkung zuständig: Fehlte es, war die Immunreaktion zur Abwehr der entzündlichen Zahnbetterkrankung Parodontitis deutlich reduziert. Geprüft wird jetzt, ob, und wenn, für welche Personenkreis, auf der Grundlage dieser Erkenntnisse die Parodontitisbehandlung individualisiert und damit ergänzt oder gar optimiert werden kann.

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Schöne gerade Zähne: für Frauen wichtiger

Auch wenn die jüngst veröffentlichte Studie aus Saudi-Arabien keinen Anspruch erhebt, aufgrund großer Tiefe und Zahlen an Studienteilnehmern eine größere wissenschaftliche Relevanz zu haben, bestätigt sie doch erneut viele andere zurückliegende Arbeiten, die zu den gleichen Ergebnissen kamen: Frauen legen demnach mehr Wert auf nicht nur schöne, sondern auch gerade Zähne als Männer. Nicht nur war die Bereitschaft der befragten Frauen für eine kieferorthopädische Behandlung insgesamt höher, sondern auch die Begründung zeigte Unterschiede: Neben der Behebung funktionaler Störungen im Gebiss aufgrund einer Fehlstellung war auch der optische Effekt einer Behandlung häufiger von Frauen benannt als von Männern. In anderen zurückliegenden Studien wurde auch über mögliche psychologische Aspekte diskutiert, wonach die mit der Behandlung erreichte Harmonie des Lächelns bei Frauen einen höheren Wert einnahm als bei Männern, die mit eher „kantigem" oder „individuellerem" Lächeln kein Problem hatten.

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Parodontitis-Erkenntnisse: Manches ändert sich nicht

Wiewohl die Wissenschaft seit sehr vielen Jahren an der Entdeckung weiterer Erkenntnisse rund um die Zahnbettentzündung Parodontitis arbeitet und die Zahnärztinnen und Zahnärzte in den Praxen erhebliche Alltagserfahrungen beisteuern und auch sehr viele wichtige neue Details bekannt geworden sind: All das hat nichts an einer Grundregel ändern können, die bereits von Anfang an die Kernbotschaft Nummer 1 ist und, wie eine aktuelle Parodontitis-Leitlinie zeigt, auch bleibt: die Bedeutung der häuslichen Mundhygiene. Vor wenigen Tagen erst hat die wissenschaftliche Fachgesellschaft im Bereich Parodontalerkrankungen dies noch einmal in einer Fachinformation bestätigt: Das Zusammenspiel aus regelmäßiger und sorgfältiger Mundreinigung zuhause und die unterstützenden Maßnahmen durch Kontrolltermine und professionelle Zahnreinigung in der Praxis sind der erste und wichtigste Schritt, eine Parodontitis – mit weitreichenden Folgen für den ganzen Organismus – zu vermeiden. Ebenfalls auf dieser Stufe, in einer Vielzahl von Studien bestätigt: nicht rauchen – und im Falle des Vorhandenseins eines Diabetes, den Status und die Einstellung regelmäßig prüfen zu lassen.

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