Kleben in der Zahnmedizin: Trocken muss es sein

Wenn eine Zahnfüllung oder eine Teilkrone notwendig wird, wird das entsprechende „Teil" in der modernen Zahnmedizin häufig „geklebt". Spezielle Verbundstoffe sorgen dafür, dass unterschiedliche Füllungswerkstoffe und das natürliche Zahnhartgewebe fest miteinander in Verbindung treten und beispielsweise Bakterien keine Lücke finden, um sich dort einzunisten und auszubreiten. Damit das so dicht wird, gibt es eine Grundvoraussetzung: Beide Seiten, die zusammengeklebt werden sollen, müssen absolut trocken sein. Nun ist der Arbeitsplatz, die Behandlungsstelle, im Mund und damit in einem Bereich, der überall feucht ist und auch feucht sein muss. Ein Weg, Flüssigkeit zu vermeiden, ist beispielsweise die Blutstillung, wenn in tieferen Zahnbereichen „geklebt" werden muss. Diesem Thema hat sich kürzlich eine renommierte zahnärztliche Fachzeitschrift gewidmet. Einerseits sei der etablierte „Kofferdam" insbesondere in Bereichen nahe dem Zahnfleischrand notwendig – eine Art Abdeckungsfolie, die nur die zu behandelnde Region herausschauen lässt. Andererseits gelte zu Recht den Blutstillungsmedikamenten Aufmerksamkeit: Sie sind eine gute Hilfe – aber nicht perfekt. Je nach Produktart dieser Medikamente können beispielsweise die kleinen Kanälchen im Zahnhartgewebe so verändert werden, dass sie mit dem Adhäsiv, dem Klebstoff, nicht mehr zusammenarbeiten. Wie die Untersuchung der Schweizer Wissenschaftler ergab, gibt es derzeit noch keine sinnvolle Möglichkeit, in jedem Fall Feuchtigkeit im Verbund vollständig zu vermeiden. Der abschließenden Reinigung der Behandlungsstelle gilt insofern, so die Autoren der Arbeit, ein großes Gewicht, und die Auswahl passender Produkte dafür sei vielfältig.

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Aktuelles aus der Praxis

Zähneputzen: Kann man übertreiben?

Zu wenig Zähneputzen ist bekanntermaßen nicht gesund: Es werden dann zu spät Zahnbeläge entfernt, in denen Bakterien leben und durch ihre Stoffwechselprozesse zahnschädigende Säuren ausscheiden. Bleibt der Zahnbelag, die Plaque, noch länger vor Ort, bildet sich fester Zahnstein, der mit der Zahnbürste gar nicht mehr entfernbar ist. Dass zuviel Zähneputzen allerdings auch nicht zahngesund sein kann, darauf verwies kürzlich Prof. Dr. Stefan Zimmer, Präventivzahnmediziner an der Universität Witten-Herdecke, in einem Zeitungsartikel. Vor allem die Intensität des Zähneputzens geriet dabei in den Fokus: Zahnärzte sähen immer öfter Putzdefekte. Rillen oder dünner werdender Zahnschmelz seien die Folge von zu kräftigem Andruck der Zahnbürste, insbesondere beim Schrubben kann es zu Schmelzschäden kommen. Wie man es individuell richtig macht, kann man in der Zahnarztpraxis lernen. Professor Zimmer kommt es dabei vor allem darauf an, dass jeder Mensch andere Voraussetzungen mitbringt und insofern auch anders als beispielsweise seine Familienmitglieder Zahnpflege betreiben muss. Wie eine Studie unter seiner Leitung ergab, kann auch eine weiche Zahnbürste zu starkem Abrieb führen, man kann sich also nicht schützen, in dem man selbst einfach von einer harten zu einer weichen Zahnbürste wechselt. Insbesondere kommt es auf Druck und Führung der Zahnbürste an. Jeder könne selbst testen, wie lang eine optimale Zahnreinigung bei einem selbst dauern sollte: mit einer Färbetablette, die nicht erreichte Zahnbeläge anzeigt.

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Autoimmunerkrankungen: Belastungen für den Mund

Bei einer Autoimmunerkrankung bekämpfen die Antikörper keine Fremdstoffe, sondern Stoffe aus dem eigenen Körper – mit erheblichen bis lebensbedrohlichen Konsequenzen. In der Regel entwickeln sich bei solchen Autoimmunerkrankungen chronische Entzündungen. Diese führen je nach Art der Erkrankung im ganzen Körper oder in einzelnen Organen zu Zerstörungsprozessen, denen mit entsprechenden Medikamenten Einhalt oder zumindest Abschwächung geboten werden kann. Auch im Mund zeigen sich vielfältige Folgen, wie ein Fachbeitrag von DDr. Christa Eder in einer zahnärztlichen Zeitschrift zeigte. Folgen im Mund können sehr vielfältig sein: Sowohl der Kieferknochen, der Zahnhalteapparat, das Zahnfleisch als auch die Mundschleimhaut können betroffen sein – und zwar sowohl direkt durch die Erkrankung selbst als auch indirekt durch die bei Autoimmunerkrankungen oft eingesetzten Medikamente, die die Immunreaktionen „herunterfahren". Je nach gesundheitlichen Einschränkungen des an einer Autoimmunerkrankung leidenden Patienten bieten die Zahnarztpraxen viele Möglichkeiten für Mundpflege und Zahngesundheit von speziellen Mundhygienehilfsmitteln bis hin zu begleitenden Vorsorgebehandlungen. Diese Angebote sollten frühzeitig genutzt und mit der Entwicklung der Erkrankung angepasst werden.

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Anti-Viren-Hilfe: Mundspüllösungen

Es klingt zu schön, um wahr zu sein – und doch ist offensichtlich etwas dran an der Idee: mit Mundspüllösungen etwas gegen Corona-Virenbelastung tun zu können. Sogar das Deutsche Ärzteblatt hat bereits darüber berichtet. Demnach hat ein Zahnärzte-Wissenschaftler-Team an deutschen Universitäten im Laborversuch bestätigen können,dass drei der getesteten acht Mundspüllösungen die Infektkraft der Viren sogar ganz erheblich reduzieren konnten. Insgesamt hatten sich die Sars-CoV-2-Viren-Stämme als sehr empfindlich gegenüber den Mundspülungen gezeigt. Das ist insofern eine bemerkenswerte Erfahrung, als der Mund, hier vor allem die Speicheldrüsen und der Rachen, zu den ganz zentralen „Einfalltoren" des Virus in den Körper gehören. Nun geht es daran, diese Laborversuche auch „in vivo", also an Patienten, gegenzutesten. Wenn dies erfolgreich ausgeht, könnten Virusübertragungen sowohl bei Patienten als auch bei Mitarbeitern in der medizinischen Versorgung deutlich reduziert werden.

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Knirschen: Wann man etwas tun muss

Zunächst einmal ist Knirschen und Pressen eine der normalen Reaktionen des Körpers, um Anspannung abzubauen. Manchen Menschen schlägt der Stress auf den Magen, anderen auf den Rücken – und nicht wenigen auf die Kiefer. Leidtragende in solchen Fällen sind dann oft die Zähne, die bei angespanntem Kiefer aufeinander gepresst werden oder durch Knirschbewegungen ihre Substanz abreiben. Wenn sich solche Stress-Zustände häufen, ist allerdings Vorsicht angebracht, wie Prof. Dr. Ingrid Peroz von der Berliner Charité kürzlich in einem Fachbeitrag berichtete: Überbelastung durch Pressen oder Knirschen kann den Zahn so unter Druck setzen, dass er Absplitterungen erfährt. Zahnfleisch und Kieferknochen können so belastet sein, dass sie zurückweichen. Das Kiefergelenk kann so verspannt sein, dass es zu Kopfschmerzen und Mundöffnungsproblemen führt. Bei Implantaträgern können solche Fehlbelastungen noch folgenreicher sein: Während der natürliche Zahn über Rezeptoren die Überlastung ans Gehirn weitermeldet, ist diese „Meldekette" bei Trägern von implantatgestütztem Zahnersatz nicht mehr aktiv, man merkt die Gefahr meist gar nicht. Bei Dauerbelastung kann sich das Implantat lockern. Es sei daher wichtig, so früh wie möglich zur zahnärztlichen Untersuchung zu gehen, um Lösungsmöglichkeiten zu finden. Dabei kann, wie es in dem Beitrag heißt, auch Physiotherapie ergänzend sinnvoll sein.

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Tag der Zahngesundheit 2020: Ernährung

Jedes Jahr am 25. September findet der Tag der Zahngesundheit statt. In diesem Jahr hat er als Schwerpunkt den Aspekt „Ernährung", wie der entsprechende Aktionskreis mitteilt. Ein zahngesunder Speiseplan könne Zähne und Mund vor Erkrankungen schützen. Dazu gehöre, Zucker deutlich zu reduzieren. Aber auch Saures habe das Potential für Zahnschäden, es greife den Zahnschmelz an. Ein guter Durstlöscher sei Wasser. Wenn es denn mal zucker- oder säurehaltige Getränke sein sollen, solle man zu Light-Varianten greifen, auch wenn diese ebenfalls säurehaltig seien: Auch in diesem Fall sei es sinnvoll, den Mund danach mit einem Schluck Wasser auszuspülen. Wer Süßes mag, aber auf Zucker verzichten möchte, habe mittlerweile viel Auswahl unter zahnfreundlichen Produkten, die in der Regel an dem Siegel „Zahnmännchen" erkennbar seien. Wichtig seien Ernährungspausen, vor allem: Zuckerpausen. Sonst würden die Kariesbakterien quasi ständig „gefüttert". Worauf man achten muss: Auch Wurst, Ketchup und saure Gurken enthalten oft viel Zucker – und klebriges Gebäck haftet an Zähnen und in den Zahnzwischenräumen und bietet damit eine Dauernahrungsquelle für die Kariesbaktieren.

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Hygiene: Desinfektion über alles?

Der Volksmund hat ein schönes Bild für eine Situation, die nicht wenige Patienten auch von sich selbst kennen: Man solle das Kind nicht mit dem Bade ausschütten. Was so viel bedeutet wie: Man kann es auch übertreiben mit seiner Aktivität. Auf die Zahnmedizin angewandt, richtet sich der Blick hier auf die Hygiene und „Desinfektion" des Mundes. Aus Sorge vor einem Übermaß an krankheitsverursachenden Bakterien nutzen manche Patienten nicht nur einfache Mundwässer, sondern antiseptische Produkte mit dem Wirkstoff Chlorhexidin (CHX). Wie eine aktuelle Studie britischer Forscher zeigt, kann das zwar sinnvoll sein, wenn man eine diagnostizierte übermäßige Keimbelastung mit schädlichen Bakterien hat. Genau das Gegenteil erreicht man allerdings, wenn man vorbeugend solche Präparate nutzt: Der an sich auf große Vielfalt angelegte Biofilm, dessen „Bewohner" sich gegenseitig in Grenzen halten, reduziert sich durch die antibakterielle Wirkung dieser Produkte und gerät so leichter aus dem Gleichgewicht – mit dem Effekt, dass mögliche Schädigungen der Mundgesundheit durch ein Übergewicht an schädlichen Keimen nicht ausgeschlossen werden können.

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Handzahnbürste: kleiner oder großer Kopf?

Bei der schon fast unübersichtlichen Auswahl an Handzahnbürsten in den Regalen von Drogerie- und Supermärkten stellen sich viele Patienten die Frage, nach welchen Kriterien sie eigentlich die für sie richtige wählen sollen. Antworten hat der Mundgesundheits-Informationsdienst proDente eingeholt bei Prof. Dr. Stefan Zimmer von der Universität Witten/Herdecke und kürzlich veröffentlicht. Demnach putzen größere Zahnbürstenköpfe die gleiche Zahnregion zwar schneller als kleine Köpfe – diese erreichen aber jeden einzelnen Zahn besser und reinigen daher oft intensiver. Gut seien Zahnbürsten mit einem etwas höheren äußeren Borsten-Rand, da die Zähne selbst keine ebenen Flächen bieten und die verschiedenen Borstenhöhen hier mehr Zahnfläche erwischen als Bürsten mit ebenmäßigen Borsten. Der erhöhte Rand erreicht auch eher den Zahnsaum am Zahnfleisch und reicht zudem wenigstens ein bisschen in den Zahnzwischenraum hinein. Wer keine Probleme mit empfindlichem Zahnfleisch habe, könne zu harten Borsten greifen: Für die Schäden am Zahnschmelz seien in der Regel nicht die Zahnbürsten, sondern die Schmirgelstoffe aus der Zahnpasta verantwortlich. Weil weiche Borsten sich umbiegen und die Schmirgelstoffe mehr über die Zahnfläche verbreiten, arbeiteten die harten Borsten nur mit ihrer Spitze und seien daher auch bei freiliegenden Zahnhälsen die bessere Wahl – zusammen mit einer sanft reinigenden Zahnpasta. Wer sich unsicher sei, sei mit einer Zahnbürste mit Bostengrad „mittel" gut bedient: Hier werde ausreichend Putzleistung mit ausreichend Schonung verbunden.

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Freiliegende Zahnhälse: was tun?

Den meisten Menschen, die über freiliegende Zahnhälse klagen, sind vor allem zwei Folgen bewusst: Die Zähne sind deutlich schmerzempfindlich – und sie sehen nicht mehr so schön aus wie „früher". Grund ist: Das Weichgewebe, das den Zahnhals bisher bedeckt hat, ist zurückgewichen. Dafür gibt es viele verschiedene mögliche Ursachen, wie ein kürzlich veröffentlichter Fachartikel verdeutlicht: Knirschen und Zahnpressen beispielsweise kann zum Rückzug des gestressten Gewebes führen ebenso wie zu heftiges Schrubben mit der Zahnbürste. Eine Zahnbettentzündung kann das Gewebe zerstören. Und es kann sein, dass sich der Kieferknochen, der Zahn und Weichgewebe stützt, zurückentwickelt hat, weil er durch Fehlbelastung „gestört" wurde in seiner natürlichen Regeneration. Hinzu kommen weitere Belastungen des Gewebes wie beispielsweise durch Piercing oder Lippen-/Wangen-Bändchen. Die Liste der möglichen Ursachen für freiliegende Zahnhälse ist also sehr umfangreich, insofern ist es nicht verwunderlich, dass auch die Suche nach dem Grund anspruchsvoll ist – es gilt, eine der Ursachen angemessene Behandlung zu finden und die schädigenden Zustände möglichst zu beseitigen. Ob sich freiliegende Zahnhälse optisch „verstecken" lassen unter einer Weichgewebe-Auflagerung, muss im Einzelfall abgewogen werden. Wichtiger ist, dass sich ein Voranschreiten des unerwünschten Prozesses und auch die Schmerzbelastung stoppen lassen.

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