Aktuelles aus der Praxis

Infektionsrisiko: Hilft gute Mundhygiene?

Bei den zahlreichen Studien rund um Entstehung, Verbreitung, aber auch Infektionsabwehr des Corona-Virus SARS-CoV-2 gehörte auch die zahnmedizinische Wissenschaft zu den beteiligten Disziplinen. Grund: Der Mund als Eintrittspforte für diese (und möglicherweise auch andere) Viren spielt eine relevante Rolle. Insofern ist es wenig verwunderlich, dass sich entsprechend ausgerichtete Studien auch der Frage widmen, ob eine gute und sorgfältige Mundhygiene eine Rolle spielt als Teil des körpereigenen Infektionsschutzes. Wie der Stand der Wissenschaft dazu ist, übermittelte ein Beitrag in einer großen zahnärztlichen Zeitschrift. Demnach führt der Eintrittsweg der Viren durch den Mund in den Körper vor allem über die Mundschleimhaut. Ob auch entzündete Zahntaschen eine Rolle spielen, ist noch nicht erwiesen: für Bakterien klares Ja, für Viren noch offen. Ein dagegen erwiesener Zusammenhang: Bakterien, die Atemwegserkrankungen auslösen, befinden sich auch im Zahnbelag (Plaque) und können beim Einatmen die virengeschädigte Lunge zusätzlich belasten. Die sorgfältige Entfernung der Plaque reduziert nicht nur die Bakterienlast, sondern durch Abheilen der Zahnfleisch/Zahnbett-Entzündung auch einen Verschluss der Blutbahn und damit des Zutrittsweges der Viren in den Körper. Bestätigt wurde, dass spezielle Mundspüllösungen die Virenlast im Mund minimieren und damit auch zur Verbesserung des Infektionsschutzes beitragen können.

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Zahnpasta: Wirkung auf schmerzempfindliche Zähne

Viele Menschen leiden unter schmerzempfindlichen Zähnen, und entsprechend groß ist das Interesse an Mundpflegeprodukten, die „desensibilisierend" wirken, also die Schmerz-Sensibilität herabsetzen. Wie – und ob – beispielsweise Zahnpasten und Mundspülungen das schaffen, erkundete vor Kurzem eine große zahnärztliche Zeitschrift bei Wissenschaftlern des Fraunhofer-Instituts für Mikrostruktur von Werkstoffen und Systemen (IMWS). Demnach gibt es zwei verschiedene Wirkweisen: Manche Produkte betäuben gewissermaßen über den Weg offen zugänglicher Dentintubuli (Kanälchen im Dentin zwischen Zahnoberfläche und Zahninnerem) für eine Weile den Zahnnerv. Die andere Produktgruppe verschließt kurzzeitig die Dentintubuli – auf diese Weise wirken die meisten im Haushalt gebräuchlichen Desensibilisierungs-Produkte. Dass die Wirkung nachlässt, wenn beispielsweise durch Essen und Trinken das Schutz-Prinzip weggearbeitet wird, erklärt sich daher – aber auch, dass durch erneutes Nutzen der Produkte beim Zähneputzen oder Mundspülen der Schutz aufgefrischt werden kann. Dem Wissenschaftler-Team zufolge gibt es allerdings gut und weniger gut wirkende Produkte – je nach Qualität der Rohstoffe: Manche namhafte Hersteller investierten, hieß es, viel in ihren entsprechenden Forschungsbereich.

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Sonderforschungsbereich: Förderung für Implantatforschung

Forschung und Entwicklung mit dem Ziel der weiteren Verbesserung von Implantaten sind noch lange nicht am Ende – im Gegenteil: Die Deutsche Forschungsgemeinschaft DFG hat kürzlich einem Sonderforschungsreich an der Medizinischen Hochschule Hannover rund 12 Millionen Euro zur Verfügung gestellt, um interdisziplinär – also zusammen mit Experten aus weiteren Disziplinen wie Ingenieurs- und Naturwissenschaften und in Zusammenarbeiten mit weiteren wissenschaftlichen Einrichtungen – an der Fortentwicklung der Implantate zu arbeiten. Einbezogen werden auch Erkenntnisse aus der Luftfahrt, die zu noch mehr Sicherheit bei der Implantatversorgung führen sollen. Hilfreich ist auch das Zusammenwirken der verschiedenen Disziplinen, in denen Implantate medizinisch eine starke Rolle spielen, außer der Zahnmedizin also auch der Bereich Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde und Orthopädie. Geforscht wird beispielsweise nach „intelligenten Systemen", die ihrerseits Früherkennung und das Identifizieren eventueller Komplikationen ermöglichen. Vielleicht, so die Hoffnung der Wissenschaftler-Gruppe, finden sie ja auch einen Weg, wie mögliche unerwünschte Prozesse nicht nur erkannt, sondern vom Implantat auch selbst „repariert" werden können. Auch was den Patienten wichtig ist, wird einbezogen. Auf die Ergebnisse der Wissenschaftler wird die Praxis aber wohl noch ein paar Jahre warten müssen.

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Salz: Wann es als Zahnschutz dient

Deutschland gilt als Fluorid-Mangelgebiet, was das Vorkommen dieses Flusssäure-Salzes betrifft: Während Menschen in anderen Ländern, bei denen Fluorid beispielsweise über das natürliche Trinkwasser an die Zähne gelangt, dadurch einen unterstützenden Zahnschutz haben, wird in Deutschland Fluorid über andere Wege zur Verfügung gestellt. Manches Mineralwasser enthält Fluorid, die meisten Zahnpasten und Mundspülungen enthalten Fluorid – und viele kennen auch das Kochsalz, dem Fluorid beigefügt ist. Seit rund 30 Jahren setzt sich, so eine Meldung in einer Zahnärzte-Zeitschrift, die Informationsstelle für Kariesprophylaxe (IfK) für diesen Aspekt der Prophylaxe ein. Die Nutzung des fluoridierten Haushalt-Salzes ist seither erheblich gestiegen und die Zusammensetzung auch angepasst worden: Da der Salzkonsum in der Küche mittlerweile zurückgegangen ist und die Salzmenge pro Anwendung geringer wurde, ist der Fluoridanteil im Haushaltssalz im Jahr 2014 etwas angehoben worden: Die Gesamtmenge des Fluorid-Kontaktes sollte nicht zusammen mit dem Salzverbrauch absinken und den Wirkungserfolg schmälern.

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Implantate: mögliche Misserfolge nicht ausschließen

Wie Prof. Dr. Dr. Bilal Al-Nawas, Universität Mainz und Mitglied des Vorstandes der wissenschaftlichen Deutschen Gesellschaft für Implantologie/DGI bei einer Informationsveranstaltung den Teilnehmern ans Herz legte, sollte man sich eines auch noch so geringen möglichen Misserfolges einer Implantatbehandlung immer bewusst sein. Auch wenn die „Überlebensrate", wie die Zahnärzte sagen, bei einer bis zu 20 Jahre währenden „Liegedauer" der Implantate bei über 90 Prozent liegt, zeige dies eben auch, dass es auch mal einen Misserfolg geben kann. Für einen solchen Misserfolg kann es sehr verschiedene Gründe geben, von schwierigen und schwer optimierbaren Ausgangssituationen im Mund über Infektionen des Patienten, die sich auf das Einheilen auswirken, bis hin zu einer ungünstigen Positionierung des Implantates im Mund und beispielsweise damit einhergehender Fehlbelastung. Nicht nur anfangs, sondern auch während der Zeit mit dem Implantat kann es zu Entwicklungen kommen, die das fest sitzende Implantat lockern können, darunter beispielsweise Erkrankungen der Knochen und die Auswirkungen der diesbezüglich eingesetzten Medikamente. Je nach Ursache des Implantatverlustes bieten sich verschiedene Lösungen an, den damit auch einhergehenden Verlust der Zahnkrone zu kompensieren und sowohl die Ästhetik, entsprechend der Rahmenbedingungen, als auch die Funktion im Mund wieder herzustellen.

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MIH: welche Rollen spielen Antibiotika?

Ein Gebiet, auf dem besonders intensiv geforscht wird in der zahnmedizinischen Wissenschaft, ist die Ursachensuche der MIH ("Kreidezähne"): Worauf gehen diese Schmelzbildungsstörungen bei Kindern zurück? Auch nach jahrelangen Studien ist die Wissenschaft noch keinen Schritt weiter, wenn es darum geht, einen eindeutigen Ursache-Wirkung-Zusammenhang zu finden. Vielmehr geht die bisherige Erkenntnislage von einem Zusammenspiel unterschiedlicher Faktoren aus, zumal die Schmelzbildungsstörung sowohl vor als auch nach der Geburt ihren Anfang nehmen kann. Einen neuen Zugang zum Blick auf die Ursachen nutzte kürzlich die BARMER: Sie untersuchte die enorme Datenmenge an Abrechnungsdaten aus den Zahnarztpraxen nach möglichen Schnittmengen bei der Diagnosebeschreibung. Aus solchen Daten-Analysen entstehen die jährlichen „Zahnreports", die die Krankenkasse veröffentlich, in diesem Jahr zum Thema MIH / Molaren-Inzisiven-Hypomineralisation. In die Vielfalt der möglichen Ursachen gibt das Ergebnis der Analyse den Aspekt „Antibiotika-Gabe" hinein: Es zeigte sich, dass bei Kindern, bei denen es aufgrund von häufigen Atemwegsinfekten zu vermehrtem Antibiotika-Einsatz kam, auch vermehrt MIH festgestellt wurde. Wie Studienleiter Prof. Dr. Michael Walther/Universität Dresden betonte, ist die weitere Forschung auch zu diesem Zusammenhang eine dringende Aufgabe für die Wissenschaft.

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Schweizer Studie: Handzahnbürste ist der Favorit

Auch wenn es inzwischen eine enorme Anzahl an wissenschaftlichen Arbeiten gibt, die hinsichtlich der Reinigungseffizienz den elektrischen Zahnbürsten deutlich bessere Noten erteilen als den Handzahnbürsten, sinkt die Beliebtheit und Verbreitung der Handzahnbürste in der Bevölkerung nicht: Das jedenfalls zeigt eine Studie aus der Schweiz, die manchmal als „Mutterland der zahnmedizinischen Prophylaxe" bezeichnet wird. Wie die Konsumentenumfrage zu Oral Care ergab, favorisiert mehr als jeder zweite Schweizer zwischen 18 und 65 Jahren klar die Handzahnbürste. Ein Viertel der Befragten nutzt oszillierend-rotierende und rund ein Fünftel mit Schalltechnik arbeitende Mundhygiene-Instrumente. Deutlich wird, wie groß die Rolle der Gewohnheit bei der Mundhygiene ist: Von den Handzahnbürsten-Nutzern nannte mehr als die Hälfte das Argument, „schon immer" diese Form der Zahnpflege zu betreiben, zudem sei, so das subjektive Empfinden, diese Form einfacher in der Anwendung. Ein anderer Aspekt ergab sich durch die Studie, der allerdings für alle Patienten Relevanz hat: Rund jeder fünfte Befragte leidet demnach unter Zahnfleischbluten und lässt, um die Region zu schützen, bei der Mundhygiene die Zahnfleischränder daher lieber aus. Genau das Gegenteil ist richtig, betonen dagegen die Zahnärzte: Oft ist schon nach wenigen Tagen bewusst intensiver Reinigung gerade der blutenden Regionen das Zahnfleisch „von allein" wieder gesundet: Die störenden Beläge müssen weg – dann kann das Gewebe auch wieder heilen.

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Implantate: frühzeitig die Mundsituation beachten

Man mag meinen, dass man an Zahnersatz, beispielsweise auf einem Implantat abgestützt, erst dann denken sollte, wenn ein Zahn entfernt werden muss oder schon ausgefallen ist. Das ist falsch, wie Dr. Dr. Anette Strunz, Mitglied im Vorstand der Deutschen Gesellschaft für Implantologie/DGI bei einer Fortbildungsveranstaltung empfahl: Man muss den ganzen Mund beobachten und kennen, insbesondere die Rolle, die der zur Disposition stehende Zahn im bestehenden Gefüge spielt. Zudem ermöglicht ein regelmäßig aktualisierter Anamnesebogen, der die Zahnarztpraxis auch über neu hinzugekommene Erkrankungen und Medikamente informiert, die auch damit verbundenen möglichen Auswirkungen auf die Mundgesundheit zu verfolgen: Das macht oft vorstellbar, was sich im Mund an der Stelle verändern könnte, für die das Implantat geplant ist. Für die Patienten heißt das, dass sie einerseits mit darauf achten sollten, ihren Anamnesebogen in der Praxis immer mal wieder auf Aktualisierungsbedarf zu überprüfen, andererseits, dass sie nachvollziehen können, warum ihr Zahnarzt oder ihre Zahnärztin sie unerwartet frühzeitig auf eine mögliche Implantatversorgung anspricht.

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