
Probiotika kennen die meisten Menschen hierzulande aus der Joghurt-Abteilung ihres Supermarktes oder dem Angebot ihrer Apotheke: Lebende Mikroorganismen, darunter Milchsäurebakterien und Hefe-Stoffe, helfen beim Erreichen eines biologisch gesunden Gleichgewichtes. Nun wird das Thema auch in der Prävention von Munderkrankungen immer interessanter. Bekanntlich werden sowohl Karies (hier: Streptococcus mutans) als auch Parodontitis (hier: Porphyromonas gingivalis) von Bakterien ausgelöst. In solchen Fällen ist das natürliche biologische Gleichgewicht in den vielfältigen Keimfamilien im Mund gestört. Wie in anderen Schleimhautbereichen könnten, so eine saarländische Forschergruppe, Probiotika vielleicht auch im Mund für einen ausgeglichenen Biofilm sorgen? Die Frage war zudem: Wie bleiben die Probiotika im Mundraum aktiv und werden nicht sofort geschluckt und verdaut? Und welche Mikroorganismen sind im Mund gezielt wirksam? Letztere Frage war bald beantwortet: das Milchsäurebakterium Lactobacillus reuteri. Es gilt als „gutartiger Keim“ und hilfreich im gesamten Verdauungstrakt, also auch im Mund. Dann bliebt noch zu klären: Wie bekommen wir die L. reuteri nützlich für den Mundraum? Dafür entwickelten die Saarländer Wissenschaftler einen „Haftfilm“, der auf den Zahnschmelz aufgetragen wird und kontinuierlich die Probiotika in den Mundraum abgibt. Die Tests zeigten: Der Plan geht auf. Die Zähne aus der Studienreihe, die mit dem „Haftfilm“ beschichtet waren, hatten deutlich weniger krankmachende Bakterien. Jetzt gab es für die Forschergruppe erst einmal einen Wissenschaftspreis für ihre Arbeit. Insofern wird sicher weiter geforscht, ob das, was im Labor erfolgreich war, auch am Menschen wirkt. Wir dürfen gespannt sein.
Quelle: Patientennews der DGI