
Bisphosphonate (sowie vergleichbare Medikamente) gehören zu einer Medikamentengruppe, die „Antiresorptiva“ genannt wird. Diese Arzneimittel werden eingesetzt bei Menschen mit knochenschädigenden Erkrankungen und speziellen Krebs-Arten. Solche Knochenschäden zeigen sich als Osteoporose: Der Knochenstoffwechsel ist gestört, das stabile Gerüst und Gewebe des Knochens löst sich zunehmend auf, der Halt lässt nach und das ehemals feste Gewebe wird löchrig. Antiresorptiva haben die Aufgabe, diesen Prozess zu stoppen oder zu reduzieren. Ziel: den Knochen so stabil wie möglich zu erhalten. Zu beachten ist dabei: Insbesondere bei bestehenden Mundinfektionen wie einer Parodontitis oder in anderen Fällen von eingebrachten krankmachenden Bakterien kann es bei diesen Antiresorptiva in sehr seltenen Fällen zu unerwünschten Nebenwirkungen kommen. Der Knochen wird dann in der infizierten Region nicht gestärkt, sondern geschwächt. Es wird weniger neuer Knochen aufgebaut als sich vorhandener Knochen auflöst. Dass es dieses seltene, aber bekannte Risiko bei Antiresorptiva geben kann, ist auch aus zahnmedizinischer Sicht relevant: Ist ein Implantat geplant, benötigt es einen stabilen Knochen als Halt. Die wissenschaftliche Fachgesellschaft für Zahnimplantate, die Deutsche Gesellschaft für Implantologie (DGI), hat kürzlich wieder die Experten entsprechender Fachgesellschaften zu einer Neubewertung der Leitlinien zur implantologischen Behandlung von Patienten in Antiresorptiva-Behandlung eingeladen – schließlich entwickeln sich Wissenschaft und Technik ja immer weiter. Im Ergebnis zeigte sich, dass die bisherigen Empfehlungen letztlich weiterhin Gültigkeit haben. Es ist möglich, bei diesen Patienten im Fall von Zahnverlust eine stabile Kaufähigkeit durch eine Implantatbehandlung zu schaffen – wenn die Planung bereits alle Risiken durch die Erkrankung, ihre Therapie und Begleittherapien berücksichtigt. Dazu gehört auch, dass der Zahnersatz zu möglichst wenig Belastung des Zahnbettes führt. Letztlich können Implantate bei Menschen in Antiresorptiva-Therapie ebenso gut gesetzt werden wie bei knochengesunden Patienten – allerdings wird neben der risiko-angepassten Planung auch eine entsprechend ausgerichtete intensive Mundhygiene sowie regelmäßige Kontrolle („Recall“) empfohlen. Hier ist der deutlichste Unterschied zur zurückliegenden Leitlinie: Dieser Recall ist jetzt nicht nur angeraten, sondern erhielt übereinstimmend den Beschluss: „starke Empfehlung“.
Quelle: Patientennews der DGI